Vier große Schritte zur barrierefreien Zukunft

Um- und Ausbaumaßnahmen am Christlichen Altenheim Friedenshort

Auf der Wiese am Friedenshort soll gebaut werden. (Foto: AS)

(Ro./AS) Es wird eine Operation am offenen Herzen, darüber dürften sich schon jetzt alle Beteiligten im Klaren sein. Besonders die Bewohner, denn die trifft die geplante Maßnahme unmittelbar: Das „Christliche Altenheim Friedenshort e.V.“ soll mit großem Aufwand für die nächsten Jahre und Jahrzehnte ertüchtigt werden. Der Grund ist eine Gesetzesänderung: Aufgrund einer Neuregelung im sogenannten Wohnungsteilhabegesetz und im Landespflegegesetz muss die Einrichtung aufwenig umgebaut und erweitert werden.
Die Ursprünge des Altenheims gehen zurück ins Jahr 1915. Damals wurde auf dem heutigen Grundstück das erste Gebäude errichtet, das nach den Zerstörungen im zweiten Weltkrieg zwischen 1950 und 1954 wieder aufgebaut und im Laufe der Jahrzehnte immer wieder ausgebaut und erweitert wurde. Jetzt soll mit einem Neubau der nächste große Schritt für die Einrichtung am Rande der Ronsdorfer Anlagen folgen.
„Darüber hinaus plant der Betreiber einen Anteil von betreutem Wohnen in die Neubebauung zu integrieren“, heißt es in der geplanten Änderung des Flächennutzungsplanes, den die Stadt Wuppertal jetzt vorgestellt hat.
Dabei sind die Pläne nicht neu. Bereits vor fünf Jahren stand der Umbau des Altenheims zum ersten Mal auf der Tagesordnung der Ronsdorfer Bezirksvertreter. Danach wurde es still um das Vorhaben, doch jetzt starten die Betreiber der Einrichtung wieder durch. „Die notwendige Finanzierung der Umbaumaßnahmen soll aus dem Verkauf eines Baugrundstückes erwirtschaftet werden“, heißt es in dem Antrag. Dazu soll auf dem südlich liegenden Wiesengrundstück Baurecht für zwei Mehrfamilienhäuser geschaffen werden.“ Geht es nach dem Willen der Stadt, soll „aufgrund des erheblichen Wohnraumbedarfes in Wuppertal diesem Wunsch gefolgt werden“, heißt es in der formellen Änderung des Flächennutzungsplans aus dem Januar dieses Jahres.  
Das bedeutet im Klartext, dass das Altenheim im hinteren Bereich zum großangelegten Garten hin erweitert werden soll. Der Antrag sieht vor, dass unter den neu entstehenden Mehrfamilienhäusern eine Tief­garage entstehen soll. Die Besucherparkplätze bleiben an der Straße erhalten. Dabei werde man auf barrierefreies und altengerechtes Wohnen setzen – ähnlich, wie man es im „Schlösschen“ schon seit Jahren handhabe. Aufzüge und barrierefreie Wege stehen ganz oben auf der Agenda, dabei handele es sich aber nicht um betreutes Wohnen. Eine konkrete, abschließene Planung gebe es aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.
Der Umbau soll in insgesamt vier Bauabschnitte aufgeteilt werden, wie Marcos Lemaitre, Kaufmännischer Leiter  im Friedenshort, beschreibt.
Dabei steht die gesetzeskonforme Modernisierung der Einrichung im Fokus: So sollen 48 Plätze in 48 Einzelzimmer umgewandelt werden. In einem zweiten Bauabschnitt wendet man sich der sogenannten „Oase“ zu. Im Erdgeschoss sollen 22 Zimmer neu gebaut werden und das Niveau des Neubaus erreichen. Im dritten Bauabschnitt sollen 25 neue Plätze für das sogenannte Servicewohnen entstehen.
Der abschließende vierte Bauabschnitt liege aus derzeitiger Sicht „sehr weit in der Zukunft“, schätzt Marcos Lemaitre. Er rechnet nicht damit, dass die Bagger vor 2025 anrollen, um den finalen Bauabschnitt einzuleiten. Dann soll auch die Anpassung der Straßenbreite auf 5,50 Meter im oberen Bereich des Friedenshorts erfolgen. Die Kosten dafür trage nach Lemaitres Aussage der Betreiber der Einrichtung. Die in das Vorhaben involvierte Bezirksregierung Düsseldorf habe keine „landesplanerischen Bedenken“ geäußert.

 

Zwei Schritte vor, drei zurück?

Bezirksvertreter zur Einbahnstraßenregelung für Radfahrer

Kontrovers wurde am Dienstagabend die Öffnung – und deren Rücknahme – von Einbahnstraßen für Radfahrer in Ronsdorf diskutiert. (Fotos: AS)

(Ro./AS) Der Weg, Wuppertal in eine fahrradfreundliche Stadt zu verwandeln, scheint lang und steinig. Den Eindruck gewann, wer am Dienstagabend der teils kontrovers geführten Diskussion der Ronsdorfer Bezirksvertreter rund um das Thema Einbahnstraßenregelungen für Radfahrer im Stadtteil beiwohnen durfte. Doch der Reihe nach: Man muss auch Fehler einräumen können. Daraus machte SPD-Fraktionssprecherin Sabrina Beckmann in ihrem Plädoyer keinen Hehl: Im Juni vergangenen Jahres habe die Ronsdorfer Bezirksvertretung mehrheitlich die Öffnung der Hordenbachstraße für den Radverkehr entgegen der bestehenden Einbahnstraße beschlossen. So sollten unnötige Umwege für Fahrradfahrer vermieden werden. Doch die neu errichtete Spur erwies sich aus Sicht zahlreicher Anwohner schnell als Schildbürgerstreich, was nicht nur am Wegfall von 15 der sowieso schon knappen Parkplätze lag. Ein Anwohner berichtete von zahlreichen Beinaheunfälle zwischen Rad- und Autofahrern, die er seit der Öffnung schon beobachtet habe. Ja, man habe also einen Fehler gemacht, so Sabrina Beckmann in der BV-Sitzung am Dienstagabend. Deshalb haben die Sozialdemokraten die Rücknahme der Öffnung der Einbahnstraße für den Radverkehr beantragt. „Wir übernehmen die Verantwortung“, so Beckmann abschließend. Dabei sei nicht der Wegfall der Parkplätze ausschlaggebend für den Antrag gewesen, sondern die Sicherheit der Radfahrer, die immer im Vordergrund stehe. Kritische Töne gab es aus Reihen der Grünen. So kritisierte Claudia Schmidt, dass sie im Falle einer Rücknahme der Öffnung den Radverkehr „stark beschnitten“ sehe. Ein erneutes Verbot sei zudem ohne eine offensichtliche Gefahrenlage nicht möglich, so Schmidt weiter. Gegenwind erhielt sie dafür von Alexander Schmidt (FDP), der nicht nachvollziehen konnte, dass „erst etwas geschehen müsse, bevor die Politik handeln kann“.
Ähnlich verhalte sich nach Auffassung der Liberalen die Verkehrssituation an der Kocherstraße: Hier habe man die bestehende Einbahnstraßenregelung für Radfahrer ebenfalls aufgehoben, um den Fahrradfahrern Umwege zu ersparen. Nach Gesprächen mit Bürgern, die in jüngster Vergangenheit bei hohem Verkehrsaufkommen gefährliche Situationen beobachtet haben, soll die Freigabe der Einbahnstraße nun auch hier zurückgenommen werden. „Dies bedeutet keine nennenswerten Einschränkungen für Radfahrer, die den parallel verlaufenden Gerhard-Dürselen-Weg nutzen können“, so Marina Hafke (FDP). Dies sah Dirk Müller von der CDU anders. Er bewertete zunehmenden Radverkehr in dem kleinen Weg als zusätzliche Gefährdung für Fußgänger im Bereich der Imbissbude und des Eiscafés.
Gesprächsbedarf sahen die Stadtteilparlamentarier auch bei der Überlegung, die Straße am Lohsiepen für den gegenläufigen Radverkehr freizugeben. Die Freigabe von Einbahnstraßen stelle nach Auffassung der Stadtverwaltung eine „kostengünstige und effektive Art der Radverkehrsförderung dar“. Dies sei im Sinne des Schlüsselkonzeptes „Wuppertal als Fahrradstadt 2025 für gut zu bewerten.“ Doch ein Großteil der Ronsdorfer Bezirksvertreter sehen das differenziert, denn sie vertreten die Auffassung, dass allein die Öffnung von Einbahnstraßen nicht genüge, um Wuppertal attraktiver für den Radverkehr zu machen.
Der Öffnung der Straße Am Lohsiepen erteilten die Stadtteilparlamentarier eine Absage. Es fehle nach Auffassung von Dorothea Glauner (FDP) ein „schlüssiges Radfahrkonzept“ für Ronsdorf. Einbahnstraßen zu öffnen, sei demnach kein Allheilmittel zur Steigerung der Attraktivität für den Radverkehr. Dirk Müller gab bekannt, dass man sich innerhalb der CDU-Fraktion bereits über ein Ronsdorfer Radfahrkonzept Gedanken mache, das sich in das gesamtstädtische Konzept einbetten ließe.

Ein Fest für alle

Die Hoffnungen liegen auf dem Herbst

Bezirksbürgermeister Harald Scheuermann-Giskes freut sich auf neue Pläne der Veranstalter. (Foto: AS)

(Ro./AS) Selten hat die Entscheidung der Bezirksvertretung, sämtliche Genehmigungen für alle Feste auf dem Bandwirkerplatz zurückzuziehen, soviel Zuspruch von den Veranstaltern bekommen. Fakt ist, dass auch in diesem Jahr sämtliche Aktivitäten „in den Sternen stehen“, bedauerte Bezirksbürgermeister Harald Scheuermann-Giskes auf der Sitzung der Bezirksvertreter. In Absprache mit der Interessengemeinschaft „W.i.R.“, dem Heimat- und Bürgerverein und dem Förderverein Bandwirker-Bad habe man sich darauf geeinigt, alle ursprünglich geplanten Stadtfeste abzusagen und alle Hoffnungen auf ein großes, gemeinsames Fest in den Spätsommer zu legen, bei dem alle Akteure beteiligt werden sollen. „Das bringt Ronsdorf trotz schwerer Zeiten nach vorn“, ist HuB-Vorsitzende Christel Auer zuversichtlich und hofft auf ein gelungenes Fest. Voraussichtlich sollen die Planungen für das große Fest im April beginnen.

 

Coronazeiten: „Ich vermisse das Reisen schon sehr.“

Ein Interview zur aktuellen Lage mit dem Ronsdorfer Schriftsteller Günter Wülfrath

Günter Wülfrath in seinem Arbeitszimmer. (Foto: PK)

(Ro./PK) Günter Wülfrath wurde 1941 in Ronsdorf geboren und kann im Juni dieses Jahres seinen 80sten Geburtstag feiern. Als gelernter Dru cker war er jahrelang als Betriebsrat tätig. Als Schriftsteller und Autor ist er ein Spätberufener. Nach einer Stimmbandoperation im Jahr 2007 begann er mit dem Schreiben. Kurzgeschichten, Essays, ein Roman und viele Gedichte gehören zu seinem Schaffen. Er ist Mitbegründer der LIT.ronsdorf, den Ronsdorfer Literaturtagen. Wir haben ihn gefragt, wie es ihm in Coronazeiten ergeht.
 
Wie hat sich in der Coronazeit Ihr Schreiben verändert?
Ich versuche, das Thema Corona durch Gedichte zu verarbeiten. Ich sende einige meiner Gedichte online an interessierte Menschen, zuerst unter der Überschrift „Heimat“, jetzt unter „LIT.corona“. Das Virus stiehlt uns unsere Zeit. Aber ich schreibe über mehr als dieses Virus: Natürlich über die Liebe, aber auch über Kneipen, Politik und die Werke anderer Autoren, alles das, was mich inspiriert. Ich schreibe – wie man sagt – über Gott und die Welt. Und ich schreibe mehr als vor der Pandemie.
 
Haben Sie sich verändert?
Da gibt es Positives und Negatives zu berichten. Ich bin hier und da nervöser geworden, unruhiger, ungeduldiger. Auf der anderen Seite schreibe und lese ich sehr viel und entdecke auch Werke von anderen Autoren, die ich schon vergessen glaubte. Die lese ich jetzt noch einmal. Ich schätze die freie Zeit, die ich zusammen mit meiner Frau verbringen kann. Wir beide kommen schon klar miteinander (lacht). Ich vermisse das Reisen sehr.
 
Was machen Sie als Erstes, wenn Corona Geschichte ist?
Als Erstes fahre ich nach Belgien, wo meine Kinder wohnen. Ich will sie endlich mal wieder umarmen. Nach meiner Rückkehr treffe ich meine Freunde.

Kann die LIT.ronsdorf 2021 stattfinden?
Natürlich würden wir, das Organisationsteam, gerne die Literaturtage stattfinden lassen, aber festmachen kann man das jetzt natürlich noch nicht. Im vergangenen Jahr sind die 14. Literaturtage ja ausgefallen. Wir hoffen darauf, dass die Ausgabe 14a stattfinden kann. Sollten wir im Mai das OK bekommen, dann reicht uns das, die Literaturtage zu organisieren. Ansonsten muss man sehen.
 
Welche Pläne haben Sie?
Ich schreibe gerade „Zeitspiegel“, ein Buch über manche meiner Erinnerungen aus der Jugend. Das fängt mit dem Angriff im 2. Weltkrieg auf Ronsdorf an, als ich zweieinhalb Jahre alt war, und endet mit einer einwöchigen Wanderung im Sauerland, die ich 1975/76 mit meinem Sohn unternommen habe. Im zweiten Teil des Buches gibt es ausgewählte Kurzgeschichten. Wenn das Buch erscheint, dann über Book On Demand im Selbstverlag. Aber es ist noch viel zu korrigieren.
 
Haben Sie einen Traum?
War es nicht der Liedermacher Hannes Wader, der in einem seiner Texte das Bild heraufbeschwor, alle Waffen in ein tiefes Loch zu werfen? Das ist ein Bild, von dessen Wahrwerden ich träume. Keine Kriege mehr, das wär's. Ansonsten möchte ich einigermaßen fit bleiben und eines Tages gehen können, ohne vorher gelitten zu haben.

 

Rätselhafte Flaschenpost unter dem Fußboden

Überraschender Fund bei der Renovierung des reformierten Kirchendenkmals

Die Urkunde aus dem Jahr 1958 wurde am Aschermittwoch gefunden. (Foto: NeK)

(Ro./NeK) Wenn man in diesen Tagen den Innenraum der Reformierten Kirche in Ronsdorf betritt, bietet sich einem ein seltsames Bild. Die Kirchenbänke sind mit grauen Plastikplanen abgedeckt, die Bodenplatten in den Gängen wurden entfernt, der steinige Untergrund ist sichtbar und im Eingang unter dem Turm klafft ein tiefes Loch. „Wir mussten alle Bodenplatten aufnehmen lassen,“ erläutert Kirchenbaumeister Reinhard Beck von der Reformierten Gemeinde die Arbeiten. Unter den Teppichen in den Gängen kamen nicht nur verklebte Platten zum Vorschein, sondern es wurde auch deutlich, dass viele Bodenplatten von Feuchtigkeit durchzogen sind. „Die Kirche wurde in den Hang gebaut,“ erklärte Reinhard Franzki, der seit 2008 die Renovierung plant und alle Maßnahmen fachlich begleitet. Das Wasser drückt unter den Fundamenten hindurch in den Boden der Kirche. Man habe außerdem die Reste einer alten Warmluftbodenheizung gefunden, die ebenfalls entfernt werden musste. Leider waren die Arbeiten aufwendiger als geplant. Wobei die unerwartete Staubentwicklung bei der Aufnahme der alten Steinplatten nun auch der Orgel zusetzt. „Wir werden wohl nach Abschluss der Renovierung unsere wunderschöne denkmalgeschützte Orgel reinigen lassen müssen“, sagte Pfarrer Dr. Jochen Denker.
Eine Überraschung gab es dann an diesem Aschermittwoch doch noch. Bei den Grabungen im Eingangsbereich unter dem Turm wurde in einer alten Bierflasche eine Urkunde aus dem Jahre 1958 gefunden. Sie bezeugt, dass damals im Mai die letzten großen Renovierungen zum 100-jährigen Jubiläum der Kirche abgeschlossen worden waren. Die Namen der Handwerker und der Baufirma sind verzeichnet. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob nach Abschluss dieser Renovierung erneut eine Urkunde versenkt wird. Und in welcher Flasche?
Die Ausführung der jetzigen Arbeiten liegt in den Händen des Bauunternehmens Schürholz-Schäfer aus Reichshof. Die Firma ist auf solche Natursteinarbeiten spezialisiert und hat auch schon einen der Ecktürme der Kirche saniert. Vor der Kirche sieht es in einem Zelt wie in einer Dombauhütte aus. Mit große Spezialsägen und einer riesigen Poliermaschine werden die alten Bodenplatten bearbeitet.
Die Renovierung der Reformierten Kirche in Ronsdorf geht derzeit in die vorletzte Phase. „Als wir 2008 mit den Arbeiten anfingen, war uns weder der gesamte Umfang noch die Dauer der Renovierungen klar,“ erläuterte Reinhard Franzki, der von Anfang an bei der Planung und Durchführung beteiligt war. Jetzt fehlen noch der Anstrich der Kirchenbänke und die Renovierung der Nordseite.
Der gesamte Sanierungsaufwand wurde bei Beginn der Arbeiten auf etwa zwei Millionen Euro geschätzt, ein Betrag, den die Gemeinde nicht alleine hätte aufbringen können.
2007 wurde deshalb der gemeinnützige Verein Denkmal Reformierte Kirche e.V. gegründet, dessen einziger Zweck es ist, die Kirchengemeinde finanziell und organisatorisch bei der Sanierung der denkmalgeschützten Kirche zu unterstützen. „Ohne finanzielle Unterstützung durch das Land, den Bund und mehrere Denkmalfördervereine, sogar aus der Schweiz, hätte das Unternehmen niemals gelingen können“, betonte Pfarrer Jochen Denker.
Man habe immer erst mit dem nächsten Bauabschnitt angefangen, erläuterte Reinhard Franzki, wenn die Finanzierung gesichert gewesen sei. Und Kirchenbaumeister Reinhard Beck ergänzte: „Wir gehen davon aus, dass dann mehrere Generationen Ruhe mit dem Gebäude haben werden!“