Ein streitbarer Literat als Namensgeber der Schule

Der 100. Geburtstag von Erich Fried weckt Erinnerungen in der Gesamtschule

Lehrer Benjamin Breutel (Mi.) hat mit dem Arbeitskreis „Schule ohne Rassismus“ den Besuch von Autor Thomas Wagner (re.) organisiert, der sich intensiv mit dem Leben von Erich Fried auseinandergesetzt hat. (Foto: AS)

(Ro./AS) Es gibt einige Namen, die man unmittelbar mit Ronsdorf in Verbindung bringt, so auch den von Erich Fried, der zum Namensgeber der Gesamtschule wurde.
Heute wissen nur noch wenige Menschen im Stadtteil, dass der streitbare Schriftsteller Erich Fried es sich nicht nehmen ließ, der damals noch jungen Schule im Grünen, die später seinen Namen tragen sollte, persönlich einen Besuch abzustatten.
Den 100-jährigen Geburtstag Frieds am 6. Mai 2021 nahm die Schule zum Anlass, den Kultursoziologen und Autor Thomas Wagner einzuladen, der sich in seinem Buch „Der Dichter und der Neonazi“ der außergewöhnlichen Beziehung zwischen dem Neonazi Michael Kühnen und dem Antifaschisten Erich Fried widmet. Er spricht sogar von einer „deutschen Freundschaft“, die auf Frieds Glauben basierte, dass der Mensch nicht unbelehrbar sei. Dabei beleuchtet Wagner die sehr unterschiedlichen Positionen der beiden Protagonisten und wirft die Frage auf, ob man sich argumentativ mit Rechtsextremen auseinandersetzen solle.
„Es war nicht schwer, in einer Zeit von WM-Titel und einer deutschen ,Wir-sind-wie­der-wer’-Mentalität mit seinen Texten anzuecken und in der Gesellschaft für Zündstoff zu sorgen“, weiß Thomas Wagner zu berichten. „Da galt ein politischer Autor wie Erich Fried schnell als ,Stören-Fried’“, schmunzelt er bei einem Interview, das eine Arbeitsgruppe der Schule anlässlich des 100. Geburtstages ihres Namensgebers initiiert hatte.
Doch wie kam es dazu, dass die 1979 in Betrieb genommene Schule im Grünen zur Erich-Fried-Gesamtschule Ronsdorf wurde? „Erich Fried besuchte 1988, nur wenige Monate vor seinem Tod, unsere Schule“, berichtet der didaktische Leiter der Gesamtschule, Jens Brandenburg. Anlass für den Besuch des politischen Friedensaktivisten Fried war sein Text „Wo liegt Nicaragua?“, mit dem er Aufsehen erregte. In dem prägnanten Gedicht hatte Fried die illegale Kriegsführung in der Iran-Contra-Affäre kritisiert.
Erich Fried war selbst ein gebranntes Kind in Sachen Nationalsozialismus und Krieg: Sein Vater jüdischer Abstammung starb 1938 bei einem gewaltsamen Verhör durch die Gestapo.
Erich Fried floh über Belgien nach London und wurde im Exil lebend als Autor nie müde, den Finger in die gesellschaftspolitischen Wun­den der Deutschen zu legen. Auch als Aktivist der APO (Außerparlamentarische Opposition) in den 60er Jahren polarisierte er. Sein Einsatz galt stets der Gleichheit aller Menschen.
Bei seinem Besuch in Ronsdorf war Frieds Wirkung auf die Schülerinnen und Schüler nachhaltig, berichtet Jens Bran­denburg.
Jedoch erst neun Jahre später, nämlich 1997, stellte die Schulkonferenz den Antrag, die Schule in „Erich-Fried-Ge­samt­schule Ronsdorf“ umzubenennen, was heiß umstritten war, galt Erich Fried doch als radikaler Linker, unbequem und unangepasst.
Wollten zunächst Bezirksvertretung und Rat der Stadt dem Antrag nicht zustimmen, „so trägt unsere Schule heute den Namen eines streitbaren Literaten, dem die Freiheit mehr am Herzen lag als politische Wohlbekömmlichkeit“, merkt die heutige Schulleiterin Heike Flowerday an. Schließlich stelle sich auch heute wieder die Frage, ob man mit Nazis reden dürfe oder sogar solle. „Der Arbeitskreis Rassismus unserer Schule stellt sich diese Frage immer wieder“, berichtet Jens Brandenburg, der sich von den Schülern neue Impulse über die Auffassung Erich Frieds erhofft und so zum Nachdenken und zum kritischen Hinterfragen gesellschaftlichen Handelns anregen möchte.
Wer sich die Festveranstaltung der Schule zum 100. Geburtstag ihres Namensgebers am 5. Mai 2021 mit Reden der Schulleiterin Heike Flowerday und des Schuldezernenten Dr. Stefan Kühn, einem ausführlichen Gespräch zwischen dem Autor Thomas Wagner und Lehrer Benjamin Breutel sowie einem Interview von zwei Schülerinnen des Arbeitskreises Rassismus mit dem Autor anschauen möchte, kann das auf der Website der Schule „www.efg-ronsdorf.nrw“ tun.

 

Eine europäische Lösung?

Modellkommunen des Landes sollen Imfungen beschleunigen

Die Stadt zieht eine Impfaktion in sozialen Brennpunkten in Erwägung. Bei der Auswahl hilft der Sozialkompass der Stadt, in der auch der Rehsiepen aufgelistet ist. (Foto: AS)

(Ro./AS) „Um das ganz klar zu sagen: Sollten wir mit mobilen Impfteams soziale Brennpunkte aufsuchen, werden wir niemandem den Impfstoff an anderer Stelle wegnehmen“, stellt Johannes Slawig, Leiter des Wuppertaler Krisenstabes, klar, wenn es darum geht, punktuelle Impfaktionen in betroffenen Quartieren in Wuppertal durchzuführen. Der Grund für die in den letzten Tagen kontrovers geführte Diskussion war die Ankündigung des Landes NRW, einen Modellversuch mit Impfaktionen in Brennpunkten so durchzuführen, wie das seit Anfang der Woche in Köln-Chorweiler stattfindet. Die Stadt Wuppertal hat einen Antrag gestellt, um ebenfalls als Modellkommune vom Land anerkannt zu werden – mit der entsprechenden zusätzlichen Zuteilung von Impfdosen. Dabei sei noch völlig unklar, ob Wuppertal die Kriterien des Landes überhaupt erfülle, so Slawig. Da er aber in Quartieren mit problematischer Wohnsituation ein erhöhtes Ansteckungsrisiko sehe, stehe eine derartige Aktion auch unter Eigenregie durch die Stadt zur Debatte. Aber dies setze ebenfallsvoraus, dass das Land NRW der Stadt genügend zusätzlichen Impfstoff zur Verfügung stelle.
Dass eine derartige Aktion durchaus gerechtfertigt ist, unterstreicht auch Wuppertals Sozialdezernent Dr. Stefan Kühn. Hier gehe es darum, möglichst kleinteilig sprachliche Barrieren, kulturelle Unterschiede und kursierende Gerüchte unter der Bevölkerung in Brennpunkten zu überwinden.
Profitieren würden in einem solchen Fall Quartiere, die „aufgrund problematischer Rahmenbedingungen“ im Sozialatlas der Stadt Wuppertal auftauchen – so wie das Wohngebiet Rehsiepen in Ronsdorf. Ob und wann geimpft wird, steht derzeit noch in den Sternen, man werde gründlich abwägen, wo man mobile Impftrupps einsetze, die dann aber „keine ganzen Quartiere, sondern kleinteilig impfen werden“, beschreibt Johannes Slawig das Konzept einer derartigen Aktion.
Grundsätzlich kritisiert der Leiter des Krisenstabes aber die Dokumentation der Impfungen und die der bereits genesenen Menschen, die künftig von Lockerungen profitieren sollen. Slawig sieht Berlin und Brüssel in der Pflicht, hier eine Lösung zu finden, denn der digitale Impfausweis steht noch nicht bereit.

 

Lolli-Tests an Schulen

Neues Testverfahren für mehr Sicherheitn

(Ro./AS) Das Lehrpersonal der Ronsdorfer Grundschulen steht bereit für den Beginn der sogenannten „Lolli-Tests“ für Grundschüler, die schon bald wieder zwei Mal wöchentlich in den Wechselunterricht gehen sollen. „Die Tests wurden bereits in einem Modellprojekt an Kölner Grundschulen über einen Zeitraum von drei Wochen erprobt“, berichtet Sven Ludwig, Schulleiter der Grundschule an der Echoer Straße. In der vergangenen Woche hat er mit einigen Kollegen und Kolleginnen an einer Informationsveranstaltung des Schulministeriums teilgenommen. Bei der „Lolli-Testmethode“ wird der Abstrichtupfer eine halbe Minute lang „gelutscht“ und kommt dann in ein sogenanntes Pool-Behältnis. „Das bedeutet, dass alle Tupfer einer Lerngruppe anonym in einem Labor ausgewertet werden“, beschreibt Ludwig das kommende Procedere. „Für den Fall, dass die Auswertung positiv ist, wird die Lerngruppe in der Regel bereits am Testtag oder aber spätestems am Folgetag morgens über eine Telefonkette informiert.“ Danach werden zu Hause Einzeltests auch wieder in der „Lolli-Methode“ durchgeführt, die dann personalisiert im Labor ausgewertet werden. Hier liefert das Labor die Ergebnisse noch am gleichen Tag. „Da wir weiter im Wechselunterricht in der Schule sind, ist immer am Tag nach der Pool-Testung kein Unterricht für die Lerngruppe“, stellt Sven Ludwig das Modell vor. Das Verfahren sei zuverlässiger als gängige Tests, denn es zeigt auch eine geringere Virenlast an, sei mit geringerem Zeitaufwand durchführbar und nehme den Kindern die Angst vor den bekannten „Nasen-Tests“. „Und es gibt wieder mehr Präsenzunterricht, zunächst im Wechelsmodell bei bestmöglichem Infektionsschutz“, so Sven Ludwig. 

 

Der Eisernsteiner Knoten soll bald platzen

Stadt Remscheid stellt Ausbaupläne für Verkehrsknotenpunkt vor

Mehr grün, weniger Ampeln: So stellt sich der neue Knoten Eisernstein in der Planung dar. (Screenshot: Stadt Remscheid)

(Lü./AS) Der langersehnte Umbau des Kreisverkehrs Eisernstein ist schon so etwas wie eine unendliche Geschichte in Remscheid: Seit vielen Jahren wird dort geplant, verworfen, neu konzipiert und wieder verworfen. Unzählige Male waren die Entwürfe bereits Bestandteil der Tagesordnung für die Lüttringhauser Bezirksvertreter*innen.
Jetzt, so scheint es, ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Für Bezirksbürgermeister Andreas Stuhlmüller sei der Umbau in diesem Jahr im Hinblick auf den vorliegenden Beschluss des Remscheider Stadtrates eigentlich „eine Selbstverständlichkeit“.
Am Mittwoch wurde der neue, jetzt wohl endgültige Plan für die Neugestaltung des Verkehrsknotenpunktes vorgestellt. Die schlechte Nachricht zuerst: Es wird für anderthalb Jahre laut werden und es wird Staus, vielleicht sogar Sperrungen und Umleitungen geben.
Für die Fußgänger soll sich nach dem Umbau vieles verbessern: So fallen die Ampeln zum Überqueren der hochfrequentierten Straßen weg – sie weichen Zebrastreifen. Auch die Bushaltestellen rücken näher an den Knoten heran, um die Fußwege der Fahrgäste beim Umsteigen in andere Linien zu verkürzen. Die Gehwege sollen breiter und gefälliger werden und Platz für Radfahrer beinhalten, die dann gefahrlos den Autoverkehr am Knotenpunkt – besonders zu Stoßzeiten – umfahren können.
Für’s Auge setzen die Planer auf mehr Grün. Hier sollen breitere Grünstreifen mit neu zu pflanzenden Bäumen entstehen und in der Mitte eine gefälligere Grünfläche. Überhaupt, so die Planer, wird der neue Knoten Eisernstein dem Verkehrsaufkommen der nächsten 30 Jahre, ob mit oder ohne das viel diskutierte DOC, gewachsen sein. Dazu habe es vor der Pandemie aktuelle Verkehrszählungen gegeben, die einer Prognose für die kommenden Jahre als Grundlage dienten. Dabei wird der neue Knoten gut zwei Meter größer und wächst dann auf einen Durchmesser von 35 Metern – ohne Bypässe, denn die sollen, so die Planer, bald überflüssig werden. Bis jetzt war es Autofahrern von der Gertenbachstraße aus kommend möglich, nach rechts in die Lindenallee um den Kreisverkehr herumzufahren.
Probleme bereiten werden die Versorgungsleitungen unter dem Asphalt, wie Burkard Fey von den Technischen Betrieben der Stadt Remscheid (TBR) schätzt. Die älteste Gasleitung in diesem Bereich liegt unter der Gertenbachstraße und stammt aus dem Jahr 1929. Was mit den Wasserleitungen geschehen soll, eine von ihnen ist knapp 50 Jahre alt, müssen die weiteren Planungen jetzt noch ergeben. Der Einsatz neuer Leitungen ist sehr wahrscheinlich.
Um das Vorhaben wirtschaftlich zu realisieren, soll Anfang Juni ein Fördergeld bei der Bezirksregierung beantragt werden. Rund 65 Prozent der Gesamtbaukosten von 2,5 Millionen Euro erhoffen sich die Remscheider. „Erfahrungsgemäß dauert es etwa ein Jahr, bis uns der Förderbescheid zugeht“, schätzt der Remscheider Verkehrsplaner Jonas Rösner. Voraussichtlich im Sommer kommenden Jahres könnte dann das Ausschreibungsverfahren beginnen, das sich wohl bis Ende 2022 ziehen wird. „Anfang 2023 könnten dann die Bauarbeiten am Knoten Eisernstein  beginnen“, zeigt sich Burkard Fey von der Stadtverwaltung optimistisch. Jetzt ist es an der Lütterkuser Bezirksvertretung, sich mit den Plänen der Stadtväter auseinanderzusetzen. Die Vorlage ist bereits online zu sehen.

 

„Wir haben mit massiven Verlusten zu kämpfen.“

Der Klimawandel macht den Imkern im Bergischen Land schwer zu schaffen

Frank Saebel bei seinen Bienenvölkern am Hof Sondern, in Imkerkleidung und mit einer Bienenwabe. (Foto: PK)

(Reg./PK) Die Imkervereinigung Remscheid / Ronsdorf-Graben wurde 1897 gegründet, hat ihren Sitz an der Max-Planck-Straße in Remscheid-Lennep und kümmert sich aktuell um rund 70 Mitglieder. Seit dem Februar 2018 ist Frank Saebel der 1. Vorsitzende des Vereins.
Saebel, der bald 60 Jahre alt wird, hat vor acht Jahren mit dem Imkern angefangen, sich schnell und intensiv in die komplexe Materie eingearbeitet und bildet unterdessen selbst Imker aus. „Zur Zeit habe ich acht Schüler“, berichtet er.
Saebel weiß um die Probleme der Imker, die zur Hauptsache aus dem Klimawandel resultieren. „Ja, wir haben mit Verlusten zu kämpfen. Da haben wir zunächst einmal das allgemeine Bienensterben, was man eigentlich als Fluginsektensterben bezeichnen könnte“, sagt er. „Wobei die Wildbiene deutlicher davon betroffen ist als die Honigbiene. Die Honigbiene hat den Imker, die Wildbiene hat nichts. Der Mensch hat die Honigbiene schon ein wenig domestiziert. Dazu kommt in diesem Jahr der schon arge Frosteintritt im Februar. Und aktuell müssen wir die Verluste ertragen, die der kälteste April seit 40 Jahren in unseren Beständen angerichtet hat.“ Er selbst kümmert sich um sieben Bienenvölker, von denen er zwei verloren hat. „Ich habe noch Glück gehabt“, weiß der Hobbyimker, der seit 30 Jahren als selbstständiger Kaufmann tätig ist. „Ich kenne erfahrene Kollegen aus Wuppertal, die von 32 Bienenvölkern 29 verloren haben. Das ist dann schon böse.“
Früher, so Saebel weiter, sei Verlass darauf gewesen, dass es im November kälter wurde und die Bienenkönigin keine Eier mehr lege. Um die Königin warm zu halten, benötigen die Arbeitsbienen Energie, die ihnen mit zugefüttertem Zu­-ckerwasser verabreicht wird. „Nun ist es so, dass man umso mehr Futter für die Bienen braucht, je kälter es wird. Das ist dann zuweilen alles schwierig zu bewerkstelligen. Man muss einen Mittelweg finden zwischen dem Zufüttern und dem Platz, den die Königin für sich beansprucht und auch braucht. Unser Frühtrachthonig ist in diesem Jahr in Gefahr. Das wird eng.“
Der Klimawandel sorgt auch bei den Imkern für Sorgenfalten. Generell werden Bienen ab einer Außentemperatur von 15 Grad rege. „Darunter sammeln die Bienen keinen Honig, das ist denen schlicht zu kalt.“ In der Hoch-Zeit von Mitte März bis hinein in den Juli legt die Königin etwas 2.000 Eier täglich. „Und das macht sie vier Jahre lang“, weiß Saebel. „Älter werden die Königinnen nicht. Gegenüber den Arbeitsbienen, die nicht älter als drei oder vier Wochen werden, ist das schon beachtlich.“
Nach hoch interessanten Fakten über die Kommunikation der Bienen im sehr dunklen Bienenstock („Das ist so eine Art Schwarmintelligenz“),über die komplexe Art der Königinnensuche, das „Feindbild“ Wespe und Bienenstiche („Da gewöhnt man sich nie dran“) zieht Frank Saebel für den ers­ten Teil des Jahres folgendes Resümee: „Der Start ins Jahr 2021 war für die Bienen kalt und holprig. Aber der erfahrene Imker wird das heilen. Die Unerfahrenen werden Schiffbruch erleiden.“
Trotz der Probleme ist das Interesse am Imkern noch immer hoch. „Unsere Mitgliedszahlen steigen langsam, aber sie steigen. Und auch viele junge Menschen interessieren sich dafür. Das liegt besonders am stark gestiegenen Umweltgedanken“, meint Saebel. Wer sich über Honigbienen und das Imkern unterrichten möchte, kann das auf der folgenden Internet-Seite tun: die-honigmacher.de/kurs5/index.html