Ronsdorf erstrahlt nun wieder in neuem Glanz

Das „Fest der Feste“ findet in diesem Jahr unter anderen Voraussetzungen statt

Fleißige Helfer des Heimat- und Bürgervereins haben den acht Meter hohen Weihnachtsbaum besorgt, aufgestellt und mit neuen Lichtern geschmückt. (Foto: AS)

(Ro./AS) Eines steht fest: Die Vorfreude auf Weihnachten lassen sich die Menschen im SonntagsBlatt-Land trotz pandemiebedingter Einschränkungen nicht nehmen. Wie in so vielen Bereichen ist auch in Sachen Weihnachten Improvisationstalent gefragt. Eigentlich würden vielerorts Advents- und Weihnachtsbasare beginnen. Aufgrund der verhängten Kontaktbeschränkungen unvorstellbar, deshalb müssen neue Ideen her, um der Vorfreude keinen Abbruch zu tun. Wie im Altenzentrum an der Schenkstraße: „Da wir wegen ‚C‘ in diesem Jahr keinen Adventsbasar im Diakoniezentrum durchführen können, haben wir einen weihnachtlich geschmückten Marktwagen gebaut“, berichtet Ingo Siebert, Sozialpädagoge an der Schenkstraße. „Damit können wir über die Wohnbereiche fahren, um bei den Bewohnern ein wenig Basarstimmung zu verbreiten.“ In der Vorweihnachtszeit wird oft und gern musiziert. Genau zur rechten Zeit gab es deshalb eine Spende an den Förderverein von der Stadtsparkasse Wuppertal und dem Ronsdorfer Unternehmen für Brandschutzkonzepte Rassek & Partner. Mit der Unterstützung konnte ein neues Keyboard und eine mobile Beschallungsanlage angeschafft werden, um die weihnachtlichen Klänge jetzt zu den Bewohnern zu bringen. „So wird es uns gelingen, ein Lächeln auf die Gesichter unserer älteren Menschen zu zaubern“, ist Ingo Siebert sicher.
Am vergangenen Wochenende waren die fleißigen Ehrenamtler der Interessengemeinschaft „Wir in Ronsdorf“ (W.i.R.) wieder unterwegs, um Ronsdorfs Mitte mit den festlichen Girlanden zu schmücken. „Weihnachten in Ronsdorf“, so heißt es jetzt wieder in den „Einflugschneisen“ ins Zentrum an der Elias-Eller-Straße (Foto links) und an der Lüttringhauser Straße. Dabei setzt man auf stromsparende LEDs, die einen warmen Lichtschein verbreiten. Wurde das Einschalten in den Vorjahren immer mit einer Zusammenkunft gefeiert, so fand das erstmalige symbolische Einschalten am Montagabend diesmal in kleinstem Kreise statt.
„Corona hat das Jahr 2020 für alle Menschen geprägt“, bedauert auch Christel Auer. Die Vorsitzende des Ronsdorfer Heimat- und Bürgervereins hat mit ihrem Team schon zahlreiche Aktionen in diesem Jahr initiiert – beispielsweise Spielzeug-Spendenaktionen, um Kindern in Zeiten von Lockdown und Homeschooling Beschäftigung gegen die Langeweile bieten zu können. An diesem Wochenende wird in der „Kühle-Passage“ ein Wunschsternebaum aufgestellt (das SonntagsBlatt berichtete). Seit Dienstag erstrahlt der Bandwirkerplatz in vorweihnachtlichem Glanz: Traditionell hat der Verein auch in diesem Jahr, exakt vier Wochen vor Heiligabend, wieder einen imposanten Tannenbaum in der Mitte des Platzes aufgestellt. Acht Meter hoch und wie gemalt, markiert er jetzt das Zentrum von Wuppertals „schönstem Stadtteil“. Um dem Baum neue Leuchtkraft zu geben, hat der Heimat- und Bürgerverein neue Lichterketten angeschafft, die nun in den Abendstunden einen anheimelnden Lichtschein verbreiten und auf das Fest der Feste einstimmen sollen. So erstrahlt Ronsdorf in diesem Jahr in einem ganz neuen Licht, das die Vorfreude aufs Fest trotz zahlreicher Einschränkungen stärken soll. „Wir hoffen, dass sich die Ronsdorfer über den Weihnachtsbaum auf dem Bandwirkerplatz freuen und eine ruhige und friedliche Weihnachtszeit genießen können“, betont
die HuB-Vorsitzende Christel Auer.

 

Traurige Rekorde auf dem Schleichweg

Messungen am Dorner Weg bringen die Wahrheit ans Licht

Kaum zu glauben, dass der Geschwindigkeitsrekord auf dieser engen und kurvenreichen Strecke bei 126 Stundenkilometern liegt. (Foto: AS)

(Ro./AS) Nicht erst seit im Mai die Großbaustelle am Lichtscheider Kreisel in Betrieb genommen wurde, ist der Dorner Weg ein beliebter Schleichweg für Autofahrer in Richtung Ronsdorf. Schilder wie eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer oder mit dem Hinweis „Anlieger frei“ werden von vielen Autofahrern ignoriert, kritisieren die Anwohner seit Langem. Zur Erinnerung: An der engen, kurvenreichen Straße befinden sich 45 Wohnhäuser und drei Reitställe mit 60 Boxen. „Unterstellen wir jedem Haus zwei Fahrzeuge und diese führen fünf Fahrten pro Tag durch und dazu bekommt jedes Pferd Besuch, kommen wir auf eine Anzahl von 400 Fahrten durch Anlieger“, rechnet Matthias Gülich, betroffener Anwohner am Dorner Weg, vor. Dabei sei die Zahl noch großzügig geschätzt. „Die Realität sagt aber, dass der Dorner Weg täglich von mehr als 1.000 Fahrzeugen genutzt wird.“ Für eine Anliegerstraße also eindeutig zu viel. Nachbarn von Gülich sprechen gar von „Lebensgefahr“, wenn sie beispielsweise mit dem Hund unterwegs seien, die Straße aber in Teilbereichen über keinen Bürgersteig verfüge. Oft sei es schon zu Beinahe-Unfällen gekommen. Ähnlich die Situation bei den Reitern, die sich vermehrt einer massiven Gefahr durch zu schnelle Autofahrer ausgesetzt sehen.  Matthias Gülich und seine Nachbarn sahen dringenden Handlungsbedarf. Sie mieteten in eigener Initiative ein Gerät zur Tempomessung der vorbeifahrenden Fahrzeuge. Die entsprechenden Geräte kann man bei einem Hersteller von Verkehrs-zählgeräten leihen. In den Kästen werden Verkehrsdaten gesammelt und ausgewertet. Wohl bemerkt: Daten und Kennzeichen werden bei dieser Maßnahme nicht registriert. Die Ergebnisse der Messungen waren „erschreckend“, wie Gülich im Gespräch mit dem SonntagsBlatt verrät: „Der Spitzenreiter im negativen Sinne war mit stolzen 126 Stundenkilometern unterwegs“, so Gülich. Wer jetzt meint, hier könnte es sich möglicherweise um einen übermütigen Nachtschwärmer auf dem Heimweg gehandelt haben, der ist auf dem Holzweg: Der Spitzenwert wurde spätnachmittags an einem Wochentag ermittelt. Aus den in Eigeninitiative durchgeführten Messungen ließ sich ableiten, dass die subjektive Gefährdung der Anwohner berechtigt ist. „Über 50 Prozent der Autofahrer halten sich nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit“, resümiert Gülich.
Er und seine Mitstreiter vertreten aber auch die Ansicht, dass hier an der Beschilderung nachgebessert werden müsse. Sie sei nicht eindeutig und für manche Verkehrsteilnehmer schwer nachzuvollziehen, denn „wer mit dem Auto aus Richtung Ronsdorf kommt, sucht ein Tempo-30-Schild vergeblich“, bedauert der entnervte Anwohner. Aus eigener Erfahrung weiß er zu berichten, dass einige moderne Navigationssysteme in den Autos kein Tempolimit anzeigen. Man stehe wegen des Ärgernisses bereits mit der Stadt in Kontakt.
Geschwindigkeitsmessungen durch die Stadt Wuppertal und die Polizei brachten zutage, dass innerhalb einer einzigen Stunde 200 Fahrzeuge registriert wurden – immerhin 60 von ihnen waren zu schnell unterwegs. Nach diesem Ergebnis finden fast wöchentlich Tempokontrollen im Dorner Weg statt. Vielleicht eine Win-/Win-Situation für die Anlieger und die Stadt, die ihre klammen Kassen ein wenig füllen kann.

 

Jetzt geht es der „Sonne“ an den Kragen

Abrissarbeiten im ehemaligen Freizeitbad auf Lichtscheid in vollem Gange

Bis ins zweite Quartal 2021 soll das ehemalige Freizeitbad dem Erdboden gleichgemacht werden, um hier Indus­trieunternehmen anzusiedeln. (Foto: AS) 

(Ro./AS) Lichtscheider Straße 90, so lautete die Postanschrift des ehemaligen Freizeitbades, dem es jetzt endgültig an den Kragen gehen wird. Lange stand das Freizeitbad „Bergische Sonne“ leer. Zeit und Vandalismusschäden haben dem Gebäude zugesetzt.
Es sind Vorbereitungen, die eine neue Ära an der Lichtscheider Straße einläuten sollen (das SonntagsBlatt berichtete). Der alte Gebäudekomplex der „Bergischen Sonne“ wird in den kommenden Monaten komplett abgerissen.
Nun werden erste Veränderungen sichtbar. Bagger fahren auf dem Gelände hin und her. Das Knattern eines Kompressors hallt durch das Gebäude. Verschiedene Haufen Bauschutt türmen sich auf. Metall, Styropor und Steine werden von zehn Arbeitern getrennt. Beim Abbruch werden insgesamt 7.300 Kubikmeter Beton geschreddert, die als recyceltes Material wiederverwendet werden sollen. Stattliche 350 Tonnen Holz fallen allein durch den Rückbau der Dachkonstruktion an.
Nachdem die vorbereitenden Maßnahmen abgeschlossen sind, steht dem eigentlichen Abriss nun nichts mehr im Wege. Die Abrissphase soll im zweiten Quartal des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Dann wird auf dem Gelände für die nötige Infrastruktur gesorgt: Fernwärme, Strom, Wasser und Glasfaser werden eingerichtet. Anfang 2022 soll die Fläche dann soweit vorbereitet sein, dass Unternehmen und Investoren mit dem Bau ihrer neuen Standorte beginnen können. Ein Konzept für die rund 19.000 Quadratmeter große Fläche liegt bereits vor. Hier sollen kleinere Unternehmen aus der IT-Branche angesiedelt werden.

 

Vom Sänger zum Handelvertreter

Hans-Arthur Falkenrath hat sich wegen der Pandemie umorientieren müssen

(Lü./PK) Wenn man ein Opern- und Konzertsänger ist und seiner Kunst in der Stimmlage Bass nachgeht, dann ist die Partie des Sarastro in Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ sicher eine der schönsten und dankbarsten Rollen des Genres. Und genau diese Rolle probte der in Lüttringhausen lebende Sänger Hans-Arthur Falkenrath zu Beginn des Jahres für eine große Zauberflöten-Produktion ein. Und dann kam der erste Lockdown und die Proben und damit die gesamte Produktion konnten nicht mehr stattfinden. Außer der Zauberflöte fielen auch alle geplanten Konzerte des Sängers der Corona-Pandemie zum Opfer. Seine Konzertreihe, in der er alle Beethoven-Lieder innerhalb eines Jahres singen wollte, kam leider über das erste Konzert nicht hinaus. Von heute auf morgen war Hans-Arthur Falkenrath nicht mehr in der Lage, seiner Kunst nachzugehen.
„Seit 2003 bin ich in der Freiberuflichkeit“, berichtet der Sänger im Gespräch mit dem SonntagsBlatt, „und dass ich eines Tages in meinem Beruf kein Geld mehr verdienen konnte, das hatte ich echt nicht auf dem Schirm.“ Zu diesem beruflich bedingten schwarzen Loch kamen bei Falkenrath noch private Turbulenzen und Schicksalsschläge hinzu. „Da gab es schon vier Wochen, in denen ich dachte: Was geht jetzt? Aber ich muss ja von irgendetwas leben“, sagt der Sänger. „Auch die Agenturen, die für uns Sänger tätig sind, arbeiten zur Zeit sehr verhalten.“
Er bewarb sich vorsorglich auf diverse Stellenangebote. „Denn alles ist besser, als nichts tun zu können.“
Nach einiger Zeit – Falkenrath hatte seine Bewerbung beim in Wuppertal ansässigen Unternehmen Vorwerk schon beinahe vergessen – meldete sich der Betrieb bei ihm. Ob nun seine sonore und volltönend beeindruckende Stimme auch ihren Teil dazu beitrug, ist sicher möglich, Hans-Arthur Falkenrath wurde sofort als selbständiger Handelsvertreter eingestellt und besucht nun Kunden im Remscheider Stadtteil Lennep.
„Ich bin über mich selbst überrascht“, gesteht Falkenrath. „Wie schnell man in ein fremdes Genre hineinwachsen kann, ist schon erfreulich. Die Kolleginnen und Kollegen haben es mir aber auch leicht gemacht.“
Obwohl er in seinem Job erfolgreich ist, war von Anfang an klar, dass etwaige Konzertangebote oder Opernengagements weiterhin Vorrang haben. Wobei sich der Sänger auch vorstellen kann, neben der Konzerttätigkeit weiterhin als Handelsvertreter tätig zu sein. „Viele Kollegen fahren zwei- oder dreigleisig“, weiß Falkenrath. „Eines Tages wird die Pandemie ja besiegt sein, und dann wird der Kulturbetrieb auch wieder losgehen. Mein Projekt, alle Beethoven-Lieder zu singen, wird dann wieder aktuell. Und die im Moment brach liegenden Bereiche des Konzert- und Oratoriengeschäfts werden dann auch wieder anlaufen."
Für den 12. Dezember war in der Kammeroper Köln die Premiere der Kinderoper „Die chinesische Nachtigall“ geplant. Hans-Arthur Falkenrath probte schon mit den Kollegen. Ob die Oper nun über die Bühne gehen kann, ist noch nicht völlig geklärt. Aber auch wenn diese Premiere abgesagt werden sollte, bleibt der Sänger zuversichtlich.
„In der vergangenen Woche durfte ich zwei Gottesdienste besingen“, sagt er abschließend. „Und selbst bei solch eher kleinen Konzerten merke ich, was und wieviel Musik bei den Menschen bewirken kann. Das darf auf keinen Fall längerfristig verloren gehen.“

 

Stadt Wuppertal errichtet Impfzentrum am Freudenberg

Die Würfel sind nun gefallen

Auf dem Campus Freudenberg sollen täglich bis zu 2.500 Impfungen stattfinden. (Foto: AS)

(El./AS) Es ist ein Kraftakt, der allen Beteiligten bevorsteht: Bis zum 15. Dezember soll auf dem Unicampus am Freudenberg ein Impfzentrum entstehen, an dem sich bis zu 2.500 Menschen täglich gegen COVID-19 impfen lassen können. Stadtkämmerer Dr. Johannes Slawig macht in seiner Eigenschaft als Leiter des Krisenstabes keinen Hehl daraus, dass es sich um eine enorme Anstrengung handelt: Innerhalb weniger Wochen müsse nun ein funktionsfähiger Stand­ort entstehen. Zunächst war die Standortfrage ungeklärt. Verschiedene Optionen hatten zur Verfügung gestanden, unter anderem – wohl aufgrund der zentralen Lage – die historische Stadthalle auf dem Johannisberg oder die Unihalle. Letztere war aber aufgrund der dort stattfindenden Klausuren und Prüfungen der Hochschule sowie schon für das kommende Jahr geplanter Veranstaltungen als nicht geeignet eingestuft worden. Seit Donnerstagabend steht nun fest, dass sich nach Abwägung diverser Standortmöglichkeiten der Unicampus auf dem Freudenberg als geeignet erweist.
Hier werden alle Anforderungen erfüllt, die für Johannes Slawig auf der Agenda stehen: Eine gute Verkehrsanbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem eigenen Auto, ein barrierefreier Zugang und ein abgeschlossenes Gelände, das Schutz vor Einbruch, Diebstahl und Vandalismus bietet. „Die Impfstraßen selbst sollen in einem winterfesten großen Zelt auf dem Parkplatz des Uni-Geländes eingerichtet werden“, berichtet Martina Eckermann vom Presseamt der Stadt Wuppertal. Dabei drängt die Zeit, denn die Vorgabe der Bundesregierung sieht einen Beginn der Impfaktion bis Mitte nächsten Monats vor. „Bei einer prognostizierten Teilnahme der Bevölkerung von siebzig Prozent und zwei Impfungen pro Person wären allein in Wuppertal 450.000 Impfungen zu leisten“, rechnet Stadtdirektor Johannes Slawig vor. Dabei steht es in den Sternen, wie lange das Impfzentrum im Einsatz sein wird. „Im Zuge der ersten Impfphase werden Personen, die aufgrund ihres Alters oder von Vorerkrankungen durch eine Corona-Infektion besonders gefährdet sind, sowie ‚systemrelevante‘ Berufsgruppen, wie etwa Feuerwehr, Rettungsdienste und die Polizei geimpft“, so Slawig. Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sollen durch mobile Impfteams in ihren Heimen geimpft werden, jeder Patient soll zwei Impfungen erhalten. Das Impfzentrum wird wohl über Monate oder das ganze kommende Jahr im Einsatz sein. Die Impfung selber sei freiwillig, stellt der Krisenstabsleiter klar, allerdings soll mit einer bundesweiten Kampagne dafür geworben werden. Auf persönliche Anschreiben wird verzichtet.
„Vor uns liegt eine riesige Aufgabe, alle notwendigen organistaiorischen und logistischen Abläufe zu steuern“, betont Johannes Slawig. Dabei setzt er auf die Unterstützung der bewährten Hilfsorganisationen, die Erfahrungen mit solchen Einsätzen haben. „Die kurze Vorlaufzeit und die Größenordnung der Aktion nötigen mir Respekt ab“, so Slawig weiter. Dennoch sei er zuversichtlich, dass das Impfzentrum Mitte Dezember an den Start gehen kann.