KW09 | 01.03.2026

Zu Gast bei den Naturfreunden

Mikroplastik – das unsichtbare Problem

Dr. Marc Constapel ist Umweltchemiker an der Bergischen Universität Wuppertal. (Foto: LMP)

(Ro./LMP) „Mikroplastik in der Umwelt“ – mit diesem Thema beschäftigte sich Dr. Marc Constapel von der Uni Wuppertal in seinem Vortrag am letzten Sonntag im NaturFreundehaus auf der Luhnsfelder Höhe. Der Umweltchemiker war vor gut sieben Jahren schon einmal zu Gast bei den Naturfreunden. Dr. Constapel stellte gleich zu Beginn fest, dass in diesem Zeitraum eines unverändert geblieben sei: der exponentielle Anstieg der weltweit produzierten Plastikmengen. Die Kurve steige immer steiler nach oben. Wurden im Jahr 1950 noch 1,5 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr produziert, so waren es 2019 rund 370 und 2024 bereits 413,8 Millionen Tonnen. Für das Jahr 2025 gehe man nach ersten Schätzungen von rund 445 Millionen Tonnen aus, Tendenz steigend.
Dr. Constapel machte deutlich, dass diese „Plastikproblematik“ im Kontext mit der „Mikroplastikproblematik“ gesehen werden müsse: Je mehr Plastik produziert werde, desto mehr Mikroplastik gelange durch Zerreibung und Verwitterung in die Umwelt. Von „Mikroplastik“ spricht man bei Plastikteilchen, die kleiner als einen halben Zentimeter groß sind. Man geht zwar davon aus, dass zum Beispiel eine Plastiktüte in bis zu 20 Jahren im Meer zersetzt wird, ein Styroporbecher in 50 und eine Plastikflasche in 450 Jahren – das bedeutet aber nicht, dass sich die verschiedenen Kunststoffe damit aufgelöst haben. Die Plastikteilchen sind nur im Mikrometer (µm)-Bereich von einem tausendstel Millimeter nicht mehr sichtbar, geschweige denn im Nanometer (nm)-Bereich, der wiederum noch einmal tausendfach kleiner ist. Zu diesem „Nanoplastik“ gebe es bis heute keine analytischen Messverfahren, wie Dr. Constapel ausführte.
Dabei sind die achtlos weggeworfene Plastiktüte oder Zigarettenkippe bei weitem nicht das größte Problem: von den rund 330.000 Tonnen Mikroplastik, die allein in Deutschland pro Jahr in die Umwelt gelangen, ist zum Beispiel der Reifenabrieb von Kraftfahrzeugen der Hauptverursacher. Weltweit gelangen jedes Jahr über drei Millionen Tonnen Mikroplastik ins Meer. Im Mittelmeer kommt Schätzungen zufolge mittlerweile auf zwei Planktonlebewesen bereits ein Mikroplastikteilchen. Alarmierend dabei ist, dass Mikro­plastik inzwischen bereits bis in die Zellen von Miesmuscheln nachgewiesen werden konnte. Mögliche gesundheitliche Folgen für den Menschen seien jedoch noch nicht abschätzbar und schwer zu bewerten, erklärte Dr. Constapel.
Eine Lösung für das Problem wäre aus Sicht des Wissenschaftlers die Reduzierung der Plastikproduktion, die jedoch dem auf Wachstum basierenden Wirtschaftssystem entgegenstünde. Darüber hinaus befinden sich bereits vermutlich 142 Millionen Tonnen Müll in den Meeren – selbst, wenn die Produktion auf dem heutigen Stand gehalten würde, kämen jährlich rund 6,4 Millionen Tonnen hinzu. Den düsteren Prognosen zum Trotz machte Dr. Marc Constapel den Anwesenden am Ende seines anderthalbstündigen Vortrages Mut: Er setze bei der Plastikproblematik auf einen kollektiven Bewusstseinswandel in der Gesellschaft, wie er im Bereich der Energiegewinnung bereits nachhaltige Wirkung zeige. „Nachhaltigkeit“ bekomme einen immer höheren Stellenwert, so gebe es an der Uni Wuppertal inzwischen sogar einen Studiengang „Sustainable Chemistry“ – in „nachhaltiger Chemie“ also. Zudem sehe er hinsichtlich der Komplexität des Themas einen möglichen Gamechanger in der „Künstlichen Intelligenz“, die vielleicht eines Tages Lösungen finden könnte.

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