(Ro./LMP) Der „Freiraum“ in der Krim war am vergangenen Dienstag ausgesprochen gut besucht. Antje Bürger von der „Bücherstube Ronsdorf“ hatte wieder einmal zu einer besonderen Lesung eingeladen. Mit Stefanie Jacobs und Eva Regul konnte sie diesmal gleich zwei namhafte Übersetzerinnen begrüßen, die an diesem Abend aus von ihnen bearbeiteten Büchern lasen und spannende Einblicke in ihre Tätigkeit und hinter die Kulissen des Literaturgeschäfts gewährten.
Wenn die beiden erzählen, ist man ganz nah an der großen Gegenwartsliteratur. Stefanie Jacobs hat unter anderem Werke von Edna O’Brien und Lauren Groff übersetzt, Eva Regul zeichnete zum Beispiel im vergangenen Jahr für die Übersetzung des neuesten Romans von John Irving verantwortlich und hat an gesammelten Texten von Margaret Atwood mitgewirkt.
Jacobs und Regul stellten im Freiraum insgesamt acht Bücher vor und lasen dann aus vier vom Publikum ausgewählten Werken. Zwischendurch beantworteten sie die Fragen der interessierten Zuhörenden. Es war fast ein wenig viel „Programm“ für anderthalb Stunden, denn die Lesung und das „Werkstattgespräch“ hätten jeweils für sich alleine genommen schon diesen Zeitrahmen verdient gehabt.
So erklärten die beiden Übersetzerinnen, dass sie „KI“, also die „Künstliche Intelligenz“, nur sporadisch nutzen: „Wenn man einen Text von der KI übersetzen lässt, wird man gewissermaßen vorgeprägt, man geht nicht mehr unvoreingenommen an den Text“, befand Stefanie Jacobs. So stehe auch bei der Übersetzung von Wortspielen und Gedichten immer die „Wirkungsäquivalenz“ im Vordergrund. Die Übersetzung soll schließlich auf die Leser:innen die gleiche Wirkung haben wie das Original. Eine Übersetzung folgt daher nicht immer zwingend Wort für Wort dem Originaltext.
Die Übersetzungsarbeit an sich findet inzwischen mehr und mehr ihre verdiente Resonanz. So wird in den meisten Verträgen eine Beteiligungsschwelle von 5.000 Exemplaren festgelegt, das heißt ab dieser Verkaufszahl werden die Übersetzer:innen am Umsatz der Auflage beteiligt. Und auch Preise werden mittlerweile für Übersetzungen ausgelobt. Stefanie Jacobs erhielt 2023 für ihre Arbeit den Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis.
Nach den viel zu schnell vergangenen 90 Minuten standen die beiden Übersetzungskünstlerinnen zwanglos für weitere Fragen zur Verfügung. Und Antje Bürger hatte natürlich die ausgewählten Bücher zum Verkauf mitgebracht. Diese Lesung hat beim Publikum Lust auf „mehr“ geweckt.
KW04 | 25.01.2026
„Wort für Wort“ – Übersetzungen
Stefanie Jacobs und Eva Regul erzählten von ihrer Arbeit




