(Elb./LMP) Harald Krassnitzer ist beliebt bei seinem Wuppertaler Publikum. So folgten am Donnerstagabend rund 300 Gäste der Einladung zu einem „Offenen Abend“ der Gemeinde Elberfeld-Süd in die damit vollbesetzte Johanneskirche an der Altenberger Straße. Krassnitzer sprach dort gemeinsam mit dem Wuppertaler Zeitungsredakteur Lothar Leuschen zum Thema „Reflexionen zu einer spannenden Stadt“. Der österreichische Schauspieler – bekannt geworden durch die Titelrolle des Dr. Justus Hallstein in der zunächst von SAT 1 produzierten Fernsehserie „Der Bergdoktor“ und in seiner Rolle als Oberstleutnant Moritz Eisner im Wiener „Tatort“ – wohnt seit vielen Jahren in Beyenburg. In seiner Wahlheimat Wuppertal engagiert er sich auch in etlichen sozialen Projekten, unter anderem in den „8samkeitsgruppen“ der Alten Feuerwache Gathe, für die er gemeinsam mit seiner Frau, der Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer, die Schirmherrschaft innehat.
„Das gehört für mich zu einer aktiven Bürgerschaft dazu“, erklärte der 65-Jährige, der in dieser Stadt viel Engagement und Potenzial sieht, dass aber kaum genutzt werde. Gleich zu Beginn des Abends stellte er den Gedanken in den Raum, dass er die politisch Verantwortlichen der Stadt dazu bewegen wolle, dass sich Wuppertal als „Europäische Kulturhauptstadt“ bewirbt: „Der unglaublich lebendige Geist dieser Stadt ist immer noch vorhanden. Mit dieser Aufgabe würde die Stadt auch wachsen.“ Krassnitzer fragt sich, warum es nicht gelinge, die Energie der Bürgerschaft in politische Maßnahmen umzusetzen. Er wünsche sich für Wuppertal die Rolle einer „Musterstadt“, die eine Zeit lang von bestimmten administrativen Vorgaben befreit werden müsse, um kreativ anders mit dieser Stadt umgehen zu können. So bemängelte er die bürokratische Vorgehensweise, nach der sich sozial engagierte Vereine jedes Jahr aufs Neue legitimieren müssten, indem stapelweise Formulare auszufüllen seien. Etablierte Vereine sollten von dieser Legitimationspflicht seiner Meinung nach befreit werden: „Die Verwaltung dieser Stadt hat kein Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Bürger“, schloss Krassnitzer.
Dass die Anwesenden diesen Frust gegenüber Verwaltung und Politik teilten, wurde beim Thema „Schwebebahnstadt“ deutlich. Ein Antrag, Wuppertal offiziell mit diesem Namenszusatz zu versehen, war im Februar 2026 von einer Mehrheit im Stadtrat abgelehnt worden – obwohl die Stimmung in der Bevölkerung eher dafür zu sprechen scheint. In einer von Leuschen und Krassnitzer initiierten „Probeabstimmung“ sprach sich das Publikum an diesem Abend dann auch fast einstimmig für die „Schwebebahnstadt“ aus. Damit schlug die Stimmung in der Johanneskirche endgültig in Richtung „allgemeine Verdrossenheit“ um. Der Vorschlag aus dem Plenum, dass alle Teilnehmenden „gleich morgen eine E-Mail an die Verwaltung schreiben“ sollten, wurde von einigen begrüßt, andere verließen an dieser Stelle den Saal. Wofür oder wogegen sich diese Mail konkret richten solle, blieb offen.
Feststeht, dass eine Wiederholung der Veranstaltung von Donnerstag – möglicherweise in der Historischen Stadthalle – deutlich besser moderiert und strukturiert sein müsste, um den Entscheidungsträger:innen der Stadt klare Anhaltspunkt zu liefern, was die Aussage des Abends „Wir wünschen uns eine andere Stadt“ denn nun wirklich bedeuten könnte.
Sehr viel konkreter war ein Vorhaben, für das sich Harald Krassnitzer ebenfalls engagiert und für das am Ende der Veranstaltung Geldspenden gesammelt wurden. Im Rahmen des von dem bekannten Pop-Rock-Sänger Michael Patrick Kelly ins Leben gerufenen Projekts „Peace Bell“, bei dem bisher vier Friedensglocken aus altem Kriegsschrott gegossen wurden, soll Elberfeld eine fünfte und letzte Glocke erhalten. Die Idee ist, dass Menschen, die Wuppertal besuchen, schon bei ihrer Ankunft am Hauptbahnhof mit diesem Kunstwerk begrüßt werden und einen ersten positiven Eindruck von einer friedliebenden Stadt erhalten sollen.
KW19 | 10.05.2026
Verwaltung ohne Vertrauen in Fähigkeiten der Bürger
Schauspieler Harald Krassnitzer beim „Offenen Abend“ in der Johanneskirche




