KW35 | 30.08.2026

Verbindung aus Texten und Weben

Madeleine Wörheide arbeitet an einem eindrucksvollen Projekt

Madeleine Wörheide mit ihrem Tischwebstuhl und ihrem Webrahmen – Leihgaben des Ronsdorfer Bandwirkermuseums. (Foto: LMP)

(Ro./LMP) Madeleine Wörheide studiert an der Uni Wuppertal „Design Audiovisueller Medien“ und „Mediendesign“. Sie wohnt auf dem Elberfelder Ölberg, ihre Ronsdorfer Wurzeln – sie ist hier aufgewachsen und zur Schule gegangen – lassen sie jedoch offensichtlich nicht los.
Als sie zum Abschluss dieses Sommerse­mes­ters die Aufgabe für ein typografisches Projekt bekam, das als Vorgabe einen Bezug zu ihrem persönlichen Alltag beinhaltete, lag das
Thema „Bandwirkerei“ nahe. Schließlich wohnen ihre Eltern noch immer in der Bandwirkerstraße und das Bandwirkermuseum kennt sie seit Kindertagen, weil sie in der dort untergebrachten Musikschule einst Tanzunterricht nahm.
Inspiriert von einem Besuch im Museum und beeindruckt vom Jacquardwebstuhl mit seiner Lochkartentechnik, entwickelte sich langsam ihre Projektidee. „Texten“ und „Weben“ haben einen engen Zusammenhang. Das lateinische Verb „texere“ bedeutet „weben“, und spätestens bei der Partizipform „textum“ für „gewebt“ wird klar, dass ein verfasster „Text“ eigentlich in Gedanken „gewebt“ worden ist. Weil sich Madeleine Wörheide darüber hinaus mit Gedichten beschäftigt, stieß sie bei ihren weiteren Überlegungen für ihr Projekt auf die in Ronsdorfer Platt verfassten Gedichte der legendären Marga Rühl.
Die Idee der 24-jährigen Studentin ist es nun, Marga Rühls Texte in ein gewebtes Band zu übersetzen, aber nicht mit Buchstaben, sondern mit einem von ihr entwickelten
System, bei dem zunächst die jeweiligen Laute nach dem Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA) in einen Binär­code umgewandelt werden, sortiert nach Vokalen und Konsonanten, nach Artikulationsort und -art. Ein Binärcode besteht aus „1“ oder „0“ – so nahm das Lochkartensystem des Jacquardwebstuhls praktisch die Grundlage der heutigen Computertechnologie vorweg.
Um die Laute des Ronsdorfer Platt nach dem IPA analysieren zu können, wandte sich Madeleine Wörheide an die Rühl-Expertin Dorothea Glauner – sie las drei Gedichte der Mundartdichterin für sie ein. Mithilfe eines Tischwebstuhls und eines Webrahmens, den ihr das Bandwirkermuseum leihweise zur Verfügung gestellt hat, konnte sie inzwischen den ersten „Prototyp“ eines so codierten Bandes selbst weben. Dabei stellte sie fest, wie schwierig dieses alte Handwerk zu erlernen ist: Für ihre Abschlussarbeit will sie daher auf einen kleinen gewerblichen Betrieb zurückgreifen, der ihr von den Mitarbeitern des Museums empfohlen wurde.
„Jedes Lautschriftzeichen entspricht in meinem System einem siebenstelligen Binärcode“, erklärt Madeleine Wörheide: „An einem Webstuhl mit acht Schäften und acht Hebeln, benutze ich einen Hebel für die Stützfäden und die anderen sieben Hebel für den Code – so wird mit den Schuss- und Kettfäden letztlich der verschlüsselte Text sichtbar.“ Das fertige Band werde dann für ein kürzeres Gedicht etwa 50 Zentimeter lang sein, und für die längeren 120. Das Ergebnis dieser kunstvollen, typografischen Arbeit soll nicht mehr lange auf sich warten lassen – bis Ende September möchte die Studentin ihr Werk, das Tradition mit Moderne auf fast schon geniale Weise verbindet, fertiggestellt haben. Und im Bandwirkermuseum hat man ihr bereits die Bereitschaft signalisiert, die fertigen Bänder dort an der Remscheider Straße auszustellen.

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