KW18 | 03.05.2026

Superintendent Dr. Denker entpflichtete Ruth Knebel

Bewegender Gottesdienst in der Lutherkirche – minutenlanger Beifall für die Pfarrerin

Sehr bewegt nimmt Ruth Knebel den Beifall der Gottesdienstbesucher und Gottesdienstbesucherinnen entgegen. (Foto: db)

(Ro./PK) „Herzlich willkommen zu meinem letzten Gottesdienst“, so begrüßte Pfarrerin Ruth Knebel am Sonntagnachmittag die Besuchenden. Die Lutherkirche in der Bandwirkerstraße war bis auf den allerletzten Platz gefüllt. Nach 33 Jahren Dienst in der Evangelischen Gemeinde in Ronsdorf (das SonntagsBlatt berichtete) wurde die Geistliche in den Ruhestand verabschiedet. Und zunächst gestaltete sich der Gottesdienst wie an jedem Sonntag.
Ruth Knebel sagte in der Begrüßung, dass sie den besten Beruf habe, weil sie die schöns­te Botschaft verbreiten dürfe. Sie freue sich auf ihr Leben als „Freifrau“, ohne den Terminstress, ohne Zwang und Hektik. Aber sie blicke immer mit Dankbarkeit auf ihre vielen Jahre in der Gemeinde zurück.
Der Gospelchor „Lucky Tones“ unter der Leitung von Aline Sardao sang für die scheidende Theologin „Help“ von den Beatles und „Nothing else matters“ der Rockband Metallica.
In ihrer letzten Predigt spann die Pfarrerin einen weiten Bogen, der in ihrer Studentenzeit anfing (1982). Es habe zum Ende ihrer Studienzeit geheißen, dass es wohl nicht für jede/n eine Pfarrstelle gäbe. Aber die Kirche brauche auch immer „gut ausgebildete Fachfrauen“. Und Ruth Knebel nahm das Stichwort „Frauen“ auf und berichtete von Lydia, der Purpurhändlerin aus Thyatira (Türkei), die die erste namentlich bekannte Christin in Europa war. Sie fand durch den Apostel Paulus zum Glauben. Die Geschichte der Kirche, so die Theologin weiter, sei nicht am Reißbrett entstanden und ende dort auch nicht.
Die baldige „Freifrau“ gab zu, nie geplant zu haben, 33 Jahre in derselben Gemeinde tätig zu sein. Da habe der Zufall seine Hände im Spiel gehabt. Abschließend äußerte sie den Wunsch an die Gottesdienstbesuchenden offen zu bleiben für Gottes Zufälle.
Superintendent Dr. Jochen Denker entpflichtete die Geistliche anschließend in einer schlichten kleinen Andacht von ihren „kirchlichen Aufgaben.“ Ruth Knebel habe immer einen Blick auf alle Generationen gehabt, obwohl ihr die Kinder und deren Wohl stets besonders am Herzen gelegen hätten. Sie sei, so Dr. Denker, eine Seelsorgerin gewesen, die in Beziehung zu den Menschen gestanden habe und dabei eine „durch und durch fröhliche Frau“ geblieben sei. Mit Ruth Knebel gehe die letzte reformiert-ordinierte Pfar­rerin in Ronsdorf in den Ruhestand. „Und deshalb dürfen wir Reformierte auch ein kleines Tränchen verdrü­cken.“ Und an die versammelten Menschen gerichtet: „Achtet den Dienst, den Ruth Knebel an der Gemeinde geleistet hat. Und verzeiht euch gegenseitig eure Fehler.“
Anhaltender Applaus erhob sich für die scheidende Pfarrerin – ein Applaus, der minutenlang die Kirche und sicher auch das Herz von Ruth Knebel erfüllte. Sie stand sichtbar bewegt vor dem Altar.
Die bewegende Stimmung beendete niemand Geringeres als Ehemann Robert Knebel, der zu singen begann: eine für seine Frau umgedichtete Version des „Banana Boat Songs“, der durch Harry Belafonte berühmt wurde – sehr lustig, sehr passend, eine Mischung aus Rap und gesungenem Liebesbrief. Und spätestens jetzt war der ehemals „normale“ Gottesdienst mutiert zu einem Fest der Gefühle, das sich nach dem Gottesdienst im Gemeindesaal weiterging. Viele Wegbegleitende ließen es sich nicht nehmen, sich persönlich von Ruth Knebel zu verabschieden. Anstelle von Geschenken wünsch­te sie sich eine Spende an „Talitha Kumi“, die Deutsche Ev.-Lutherische Schule in Beit Jala in Palästina, einen sicheren und friedlichen Ort zum Lernen.

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