(Lü./PK) Die März-Sitzung der Bezirksvertretung in Lüttringhausen hatte mit 34 einzelnen Tagesordnungspunkten eine beeindruckende Vielfalt zu bieten. Es ergab sich jedoch, dass ein einziger Tagesordnungspunkt den Mittelpunkt darstellte. Beinahe eine Stunde befasste sich die Bezirksvertretung mit der Kinderarztversorgung in Remscheid und besonders derjenigen in Lüttringhausen.
Im gesamten Stadtbereich gibt es zwei Zentren, die Arztstellen im MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum). Hier können Kinder und Jugendliche medizinsich versorgt werden. Eine dieser Stellen ist in der Gertenbachstraße in Lüttringhausen, die andere in der Peterstraße in Alt-Remscheid unweit des Allee-Centers. Nunmehr plant die Stadt Remscheid als Eigentümer und Betreiber dieser Standorte, das MVZ in der Gertenbachstraße zu schließen. Diese Entscheidung kritisieren die demokratischen Parteien in der BV auf das Schärfste. Zur Sitzung wurden daher Vertreter und Vertreterinnen der Stadtverwaltung eingeladen. Sie sollten die Lage, die dazu führt, dass die wohnortnahe medizinische Versorgung nicht sichergestellt ist, analysieren und – so möglich – Alternativen aufzeigen.
„Zunächst einmal“, sagte Johannes Günther, der für den verhinderten Thomas Neuhaus (Sozialdezernent der Stadt Remscheid) an der BV-Sitzung teilnahm, „ist sichergestellt, dass das MVZ in der Peterstraße alle Kinder und Jugendliche Remscheids behandeln kann.“ Selbstverständlich, so Günther weiter, sehe die Stadt das Szenario genau so: Wenn kein Kinderarzt mehr vor Ort ist, dann ist das eine mittlere Katastrophe. Aber so sei es. „Es ist ein Personalengpass, das muss man so sagen.“
Günther ging dann auf die Gründe dafür ein. Das Problem sei seit Jahren bekannt, nicht nur in Remscheid, sondern in ganz Deutschland. In Remscheid käme noch hinzu, dass die medizinische Versorgung sowieso nie sehr gut gewesen sei. Man habe frühzeitig versucht, das Angebot zu erweitern und darum neue Räumlichkeiten oder Nachfolger für ausgeschiedene Medizinerinnen und Mediziner zu suchen. „Es ist uns nicht gelungen. Am Anfang gingen wir mit einer gewissen Euphorie an die Sache heran, die auch das Engagement von Kinderärztin Frau Dr. Pfitzner befeuert hat. Aber die Ernüchterung hat uns dann doch eingeholt.“ Aktuell ergebe sich folgendes Bild: Geplant habe man mit vier Arztsitzen. Ab April 2026 seien noch genau 2,25 Sitze besetzt. Da macht es Sinn, die beiden MVZ zusammenzulegen. In der Gertenbachstraße sei der Raum zu beengt, beide MVZ dort unterzubringen.
Der Leiter des MVZ, Martin Schulte, erklärte, dass man in den Jahren 2022/23 nahezu Vollbesetzung hatte. Dann ging der erste Arzt in den Ruhestand und man fand keine Nachfolge. Die Stelle blieb verwaist. Man tat alles, wirklich alles, was in der Macht des MVZ lag und weit über den persönlichen Einsatz jedes Einzelnen hinausging. Es sei und bliebe jedoch ein Riesenproblem.
Schulte schilderte, dass man eine Ärztin vom Sana-Klinikum abwerben konnte. Diese Ärztin erhielt ihre erste Abrechnung – und kündigte am gleichen Tag.
„Ärzte“, fuhr Martin Schulte fort, „haben ein organisatorisches Problem: Sie können nicht mal eben Kinder von der Kindertagesstätte abholen. Sie haben keine 35-Stunden-Woche und keinen Feierabend um 16.00 Uhr. Man kann es so deutlich sagen: Mediziner zu sein, erscheint nicht mehr attraktiv. Meine Kontakte sind vielfältig und gehen in alle Richtungen. Es geht um Standortfragen, um Verkehrsverbindungen und um finanzielle Fragen.“
In Köln würden die niedergelassenen Ärzte, die an der Uni arbeiten, „Horrorsummen“ für ihre 2-Zimmer-Wohnungen bezahlen. Dafür könnten sie in Remscheid ein Haus mieten. Also müsse man doch schlussfolgern: Remscheid sei für niedergelassene Ärzte nicht attraktiv. Man müsse natürlich einsehen, dass man den Standort nicht verändern könne. Zum Abschluss konstatierte er, dass die hausärztliche Versorgung am Ende der „medizinischen Fahnenstange“ angekommen sei.
Die BV-Mitglieder stimmten abschließend über zwei Anträge ab: Der Prüfauftrag für eine Personalakquise für das pädiatrische Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) soll intensiviert und gesichert werden.
Dazu soll die Kinderarztversorgung in Lüttringhausen aufrecht erhalten werden, sodass ein gesonderter Prüfauftrag beschlossen wurde.
Der gemeinsame Antrag der Fraktionen von CDU, SPD, Bündnis 90 / Die Grünen sowie FDP erfolgte einstimmig.
KW11 | 15.03.2026
Ist RS-Lüttringhausen für Ärzte so unattraktiv?
Brisanter Tagesordnungspunkt in der März-Sitzung der Bezirksvertretung




