KW25 | 21.06.2026

Grandioser Theaterabend am Leibniz-Gymnasium

Literaturkurs mit einem Stück über sexualisierte Gewalt

Der zerbrochene Spiegel in der Umkleidekabine der Ballettschule wirft das Thema „Schuld“ auf. (Foto: LMP)

(Lü./LMP) Seit der Corona-Pandemie hatte es am Leibniz-Gymnasium kein Theaterstück eines Literaturkurses mehr gegeben, wie Oberstudiendirektor Dr. Thomas Giebisch am Mittwochabend in der Aula betonte. Doch der aktuelle Q1-Literaturkurs, also Schüler:innen der 12. Jahrgangsstufe, sorgte an diesem Abend mit seinem Stück „Der zerbrochene Spiegel“ für ein fulminantes Comeback. Seit Ende Oktober letzten Jahres hatten die Jugendlichen an dem Thema und seiner Umsetzung gearbeitet, darüber hinaus sämtliche Texte selbst geschrieben und einstudiert.
Was dann zunächst im Stile eines Boulevardstückes begann, entwickelte sich mehr und mehr zu einem echten Drama – mit einer völlig überraschenden Wendung. Die Trainerin einer Ballettschule hatte sich in die Hand geschnitten, angeblich beim Möhrenschneiden. Als das Thema dann auf den zerbrochenen Spiegel in der Umkleidekabine zu sprechen kam, ahnte man schon: Die Parallelen zum „Dorfrichter Adam“ aus Heinrich von Kleists „Zerbrochenem Krug“ waren unübersehbar und gewollt.
Alles drehte sich um das Thema „Schuld“, denn die Schülerin Mathilda – die sich wegen ihrer geschiedenen Eltern sowieso für alles immer selbst die Schuld gibt und sich deshalb in Therapie befindet – und ihr Freund Julian stehen in dringendem Verdacht, den „Meisterspiegel“, ohne den das Team keinen Wettkampf gewinnen kann, zerbrochen zu haben. Doch während das Publikum bereits ahnt, dass in Wirklichkeit die Trainerin dahintersteckt, die ihre Macht­position ausspielt und die Schuld von sich weist, geht es plötzlich um viel mehr.
Die Trainerin hatte nämlich in Wirklichkeit Mathilda ein Empfehlungsschreiben für die Tanzakademie geschrieben und von ihr dafür sexuelle Gegenleistungen verlangt. Bei einem heimlichen Treffen der beiden in der Umkleidekabine war der Spiegel zu Bruch gegangen. Das beeindruckende Stück mündete damit in einem Appell zum Thema „Sexualisierte Gewalt im Leistungssport“ und „Sexuelle Grenzverletzungen“ sowie dem dringenden Aufruf, dass dabei niemals die Schuld bei den davon Betroffenen liegt.
Ein derart schwieriges Thema überhaupt in einem einstündigen Theaterstück auf die Bühne zu bringen, es dann aber auch noch mit den literarischen Anleihen an einen deutschen Klassiker zu verbinden, bedeutete bereits eine Meisterleis­tung dieses Literaturkurses. Doch darüber hinaus sorgte auch die schauspielerische Performance der Schüler:innen – inklusive mitreißender Tanzeinlagen – für einen grandiosen Theaterabend an der Lockfinker Straße.

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