Meine erste Platte: Mit unserer Serie stellen wir Menschen aus dem Sonntagsblatt-Land vor, die mit uns über ihre erste Platte gesprochen haben. Wir werfen einen Blick auf verschiedene Musikgeschmäcker und unterschiedliche Verbindungen zur Musik.
(Ro./PK) „Früher sagte ich gerne: Ich bin Klempner von Beruf“, sagt Gerhard von der Heyden und fügt an: „Netter kleiner Spaß, nicht?“ In der Tat, wenn man seine musikalische Hinwendung zu Reinhard Mey bedenkt, der ein Lied gleichen Titels schrieb. Von der Heyden führte jahrelang das Unternehmen Adolf von der Heyden GmbH als Diplom-Ingenieur, der er ebenso ist. Er legt Wert darauf, in Ronsdorf geboren zu sein. „Im alten Krankenhaus 1961“, erzählt er.
Seine erste Platte kaufte er, wie von der Heyden sich erinnert, bei Radio Münster in Ronsdorf. „Es war bestimmt ein Geschenk für meine Eltern.“ Aber die „richtige“ erste Platte, die er für sich selbst kaufte, war etwas völlig anderes.
Dass er nie ohne Gitarre unterwegs gewesen sei, wie eine Freundin behauptete, stimme so nicht. Wahr ist, dass er quasi autodidaktisch das Gitarrenspiel erlernte und als Teenager Sänger in der Band „Waterhüsken“ von Peter Evels wurde. Man spielte zum Beispiel Bob Dylan und Simon and Garfunkel. Mit dieser Band trat man auch bei einem Abend des Siedlervereins in der Wuppertaler Stadthalle auf.
Nach Gründung einer Familie verwaiste dann die Gitarre, bis ein Mitglied der Evangelisch-reformierten Gemeinde, der von der Heyden angehört, ihn fragte, ob er nicht bei den Abendgottesdiensten Musik machen könne. „Das war 2006 oder 2007.“ Seit dem widmet er sich seinem Instrument und dem Gesang wieder intensiv.
Die Gemeinde lud auch christliche Musiker zu Konzerten ein und bei einer dieser Gelegenheiten lernte von der Heyden das Duo Arno und Andreas kennen, deren LP „Weder Arno noch Andreas“ mit Fug und Recht als seine erste Platte bezeichnet werden kann. Er kaufte sie in einer christlichen Buchhandlung auf der Paradestraße in Wuppertal.
In seiner Sammlung findet sich sehr unterschiedliche Musik: Pink Floyd, André Heller, Bob Dylan, Klaus Hoffmann, Donovan, Manfred Mann’s Earth Band und eine LP des Orgel-Jazzers Jimmy Smith auf Amiga-Records, der einzigen Plattenfirma der DDR, von ihm selbst in Ost-Berlin gekauft.
„Eines Nachts hörte ich Radio“, erinnert sich von der Heyden, „und da kam, es war nach 22 Uhr, Jazzmusik. Und ich war wach wie selten, denn der Klang hatte mich sofort eingefangen. Das war Pat Metheny. So etwas hatte ich noch nie gehört. Ich war hin und weg.“
Obwohl sein Bruder bei den Nürnberger Symphonikern Geige spielt, konnte von der Heyden mit der klassischen Musik nie etwas anfangen. Er schlafe dabei ein. Jazz gehe bis zu einem gewissen Grad, harter Rock sei gar nicht sein Ding. Hingegen liebt er Bläck Fööss, Brings und – natürlich – Reinhard Mey.
Zum Musizieren brauche er eine Melodie, gesteht er. „Ich höre lieber, wie Barack Obama auf einer Beerdigung ‚Amazing Grace‘ singt als eine Fuge von Johann Sebastian Bach. Ja, ich bin ein Bauchhörer. Ich höre nicht mit dem Kopf.“




