KW49 | 10.12.2023

„Einmal bitte das Auto waschen – mit Ernst“

Ein Ronsdorfer Original mit Benzin im Blut verabschiedet sich

Seit mehr als fünfzig Jahren prägte Ernst Weingerl (li.) das Bild der Ronsdorfer Esso-Station von Mirko Markanovic, der ihn am liebsten hätte gar nicht gehen lassen. (Foto: AS)

(Ro./AS) Ernst Weingerl ist eine Ronsdorfer Institution: Seit 1970 sorgte er dafür, dass im Stadtteil mehr saubere Autos durch die Straßen rollen, denn damals waren Tankstellen noch Begegnungsorte für autoaffine Menschen: Neben dem Tanken wurden auch kleine Reparaturen ausgeführt, der Weg zum gewünschten Ziel erklärt – und das eine oder andere Pläuschchen gehalten. Somit waren Tankstellen oft genug Orte der Begegnung.
Auch für Ernst Weingerl, der 1968 nach Ronsdorf kam und an der Esso-Tankstelle an der Remscheider Straße sein Auto tankte und es liebevoll pflegte. „So kam ich mit dem damaligen Betreiber ins Gespräch“, erinnert sich der inzwischen 81-Jährige an seine Anfänge. Das war der Beginn einer langen Verbindung, fast möchte man sagen, einer Freundschaft. Denn mit einem Schuss Benzin im Blut half „der Ernst“, wie man ihn jovial nannte, der Kundschaft bei allen anfallenden Wartungsarbeiten, die über das Tanken hinausgingen. „Damals gehörte es noch zum guten Ton, dass wir den Tankenden die Scheiben geputzt und nach dem Ölstand geschaut haben“, erinnert er sich mit einem wehmütigen Lächeln auf den Lippen. Dabei hatte er nicht nur ein offenes Ohr für die Kundschaft, sondern half auch bei der Wagenpflege. „Fahrzeugpflege war immer meine Leidenschaft“, so Weingerl.
Zuvor hatte er als gelernter Dreher viele Jahre für ein traditionsreiches Cronenberger Werk­zeugunternehmen gearbeitet, doch bei seiner neuen Aufgabe an der Ronsdorfer Esso-Station liebte er den Kontakt zu den Menschen und die immer neuen Aufgaben, denen er sich mit viel Herzblut stellte.
„Ich habe die Arbeit hier immer geliebt“, erinnert sich „der Ernst“. So war er bis zuletzt immer samstag an der Waschanlage anzutreffen, wo er – nicht nur – für die Vorwäsche der schmutzigen Fahrzeuge verantwortlich war. Neben der Arbeit hatte er immer ein freundliches Wort auf den Lippen.
Daran änderte sich auch nichts, als die heutigen Pächter Mirko und Mara Markanovic vor achtzehn Jahren die Esso-Station übernahmen. „Ich war begeistert von Ernsts Einsatzbereitschaft“, schwärmt Mirko Markanovic. Denn der Wagenwäscher kümmerte sich nicht nur um die Fahrzeuge der Kundschaft, auch eine „blitzblanke Tanke“ lag ihm am Herzen.
„Er hat die Arbeit immer gesehen, hat gewienert und geputzt, was das Zeug hielt“, freut sich Markanovic. „Ernst ist niemand, dem man die Arbeit zeigen musste“, so beschreibt er die Eigeninitative des Mannes, der sich längst einen hohen Bekanntheitsgrad in Ronsdorfs Autowelt erarbeitet hatte.
Der Pächter führt den Service-Gedanken der guten alten Zeit mit fort, erledigt auch heute noch kleinere Reparaturen und Wartungsarbeit für seine Stammkundschaft. „Nur Landkarten haben wir keine mehr“, schmunzelt er. „Die Aufgabe, jemanden zum Ziel zu führen, haben längst die Navigationssysteme übernommen.“
Gern blickt Mirko Markanovic auf die Zeit zurück, als die Menschen samstags bis zur Remscheider Straße hin standen, um ihr Auto pflegen zu lassen. „Das war Kult damals“, erinnert sich der Tankstellenpächter. So habe man der Kundschaft, die bei ihm „eine Autowäsche – mit Ernst“ bestellt hatten mit selbst gegrillten Würstchen und Getränken die Wartezeit verkürzt.
„Das war der reinste Treffpunkt hier“, erinnert sich auch Ernst Weingerl, der sich vor Kurzem schweren Herzens entschlossen hat, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen – aus familiären Gründen, wie er sagt.
„Trotzdem – es war eine schöne Zeit und die Arbeit fehlt mir sehr“, bedauert er. Mirko Markanovic hat zwischenzeitlich in eine hochmoderne Waschanlage investiert, die für blitzblanke Ergebnisse sorgt. „Trotzdem“, sagt er mit einem breiten Grinsen, „den Ernst kann nichts und niemand ersetzen.“

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