KW38 | 20.09.2026

Ein lustiger Überblick auf 1000 Jahre Kunstgeschichte

Buchautor Jakob Schwerdtfeger zu Gast in der Stadtteilbibliothek Ronsdorf

Schwerdtfeger zeigt den „kitschigen Rokoko“. (Foto: db)

(Ro./PK) Zweimal in jedem Jahr gelingt es Antje Bürger, Inhaberin der Ronsdorfer Bücherstube, eine „richtige Hausnummer“ nach Ronsdorf zu holen (Das SonntagsBlatt berichtete über die Gastspiele z.B. von Julie von Kessel und Trude Teige). Am Donnerstagabend gastierte nun der Stand-up-Comedian und Kunsthistoriker Jakob Schwerdtfeger in der von Patricia Crede geleiteten Stadtteilbibliothek. Die zur Verfügung stehenden 70 Plätze waren sehr schnell ausverkauft. Einige Dinge müssen bei einem solchen Auftritt zuvor geklärt werden: So muss die Bibliothek ihren Platz zur Verfügung stellen. Und auch an notwendige Technik wie Mikrofone und Boxen muss gedacht werden, was in diesem Fall das Reparatur-Café Machbar übernommen hatte.
Schwerdtfeger, 1988 in Hannover geboren und in Frankfurt am Main lebend, hatte sein in diesem Jahr erschienenes Buch mitgebracht: In „Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist die Kunstgeschicht‘“ schildert Schwerdtfeger die Entwicklung der Kunst und ihrer verschiedenen Strömungen in den vergangenen 1000 Jahren – und das, wie er sagt: „Endlich einmal verständlich. Und lustig.“
Wie das Publikum in Ronsdorf erfuhr, waren beide Aussagen korrekt. Jakob Schwerdtfeger – witzig, selbstironisch arroganzlos und kenntnisreich – warf kurze und manchmal auch längere Blicke auf Kunstströmungen aller Art und zeigte anhand von gezeigten Beispielen, wie sich Kubismus oder Expressionismus entwickelten und wie die Kunstwerke in jeder Epoche aussahen. So ging es um Herrad von Landsberg, eine Künstlerin und Nonne des 12. Jahrhunderts, der es – wenn auch unfreiwillig – gelang, im Bild „Der Wal spuckt Jonas aus“ das große Tier von oben zu malen, das stilisierte Wasser aber von vorne und die auch im Bild zu sehende Burg von der Seite, also drei Perspektiven in einem Bild anzufertigen. Schwerdtfegers einstündige Reise bewegte sich von der Renaissance (Michelangelo) und dem Barock (Rubens und „Stillleben“) hin zur Genremalerei (Vermeer) und dem Klassizismus (Tischbein und sein berühmtes Goethe-Bild, in dem der Dichterfürst zwei linke Füße hat). Den Rokoko bezeichnete der Kunsthistoriker als „immer ein bisschen kitschig“ und den Kubismus (Braque) als „bahnbrechend“. Die größte Revolution innerhalb der bildenden Kunst sei aber, so Schwerdtfeger, das „Schwarze Quadrat“ von Kasimir Malewitsch gewesen. „Ihr müsst das nicht mögen“, sagte der Autor, „es geht auch nicht um die Kunstfertigkeit, es geht um die gedankliche Leistung, sich das im Jahr 1915 zu trauen, das war damals wirklich ungeheuerlich.“
Irgendwann im 20. Jahrhundert verschwimmen die Kunstströmungen von Pop-Art, Post-Expressionismus und Konzeptkunst zwischen Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Marina Abramovic. Am Ende steht die zeitgenössische Kunst.
Schwerdtfeger ließ immer wieder persönliche Anekdoten in seine vergnügliche Stunde einfließen und sagte den Besuchenden auch, welchen Künstler er nicht mag – persönlich und von der Kunst aus betrachtet. Hingegen liebt er den zeitgenössischen Künstler „Peng“, der in Frankfurt kleine Männchen auf Wände sprüht und inzwischen rund 25.000 dieser Mini-Kunstwerke in der Stadt hinterlassen hat. Banksy lässt grüßen.

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