(Ro./PK) Zum ersten Mal war der Verein „Miteinander in Ronsdorf“ (MiR) Veranstalter eines Abends während der Ronsdorfer Literaturtage. Und schnell zeigte sich bei der Veranstaltung in der Alten Schule an der Elias-Eller-Straße, dass an diesem Abend nicht das gedruckte und gelesene Wort im Mittelpunkt stand, sondern das Berichten und Erzählen. Denn zwei Menschen, die ihre Heimat Syrien verlassen mussten, teilten mit den mehr als 30 Besuchenden der Veranstaltung eindrücklich ihre Flucht- und Migrationserfahrungen.
Sham Malou, eine junge syrische Frau, erzählte von der Flucht ihrer Familie, die 2011 begann – in dem Jahr, als der Bürgerkrieg im Land seinen Anfang nahm, weil die friedlichen Proteste der Bevölkerung im Rahmen des Arabischen Frühlings von dem autoritären Regime gewaltsam niedergeschlagen wurden. „Die Entscheidung, Syrien zu verlassen“, so Sham, „war nicht einfach, aber notwendig, stand doch ihr aller Leben auf dem Spiel.“ Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützte die Familie, die in den Libanon flüchtete. Einige Jahre verblieb man dort, bis im Jahr 2014 die Verwandten von Sham Malou nach Deutschland ausgeflogen wurden. Sie und ihre Familie mussten da noch im Libanon verbleiben. Sie arbeitete zeitweise als Sprachlehrerin, um den Schulbesuch ihrer Kinder zu finanzieren, denn die Schule ist im Libanon nicht kostenlos. Erst 2019 konnte Sham Malou mit ihrem Mann und den Kindern Deutschland erreichen. „Die Erkenntnis, jetzt in einem sicheren Land leben zu können, in dem meine Kinder eine Zukunft haben, ist so unglaublich wichtig“, bekundete sie überzeugend, obwohl die erste Zeit in Deutschland nicht einfach war. Es war die Zeit, in der Corona das Land halbwegs lahmlegte. Aber sie gab nicht auf, machte den Hauptschul-, später auch den Realschulabschluss und ist nun im zweiten Ausbildungsjahr beim Chemie-Unternehmen Bayer beschäftigt. Ihr Traum sagt die Mutter von drei Kindern, die eigentlich Lehrerin werden wollte, sei es, irgendwann selbst Ausbilderin zu sein. „Heimat“, sagt die junge Frau, „ist da, wo die Zukunft sicher ist.“
Auch Ahmad Taan stammt aus Syrien. Auch er erlebte den Bürgerkrieg. „Es gab eine Zeit“, berichtete er eindrücklich, „in der jede Straße in meiner Heimatstadt bombardiert wurde. Man stirbt psychisch dreimal, bevor die Bomben explodieren.“
Die Familie von Ahmad floh über die Türkei vor den Qualen des Krieges. Von dort ging es nach Griechenland („Keine einfache Zeit, wenn man mit einem kleinen Kind unterwegs ist, was immer wieder Hunger hat und weint“) und weiter nach Deutschland, wo die Familie über ein Flüchtlingslager in Sachsen-Anhalt in Köln und schließlich in Wuppertal ankam. Ahmad besitzt trotz zahlreicher Versuche noch keinen deutschen Pass. Er fühlt sich dennoch wohl in Deutschland, gibt die Hoffnung nicht auf und lobt das Miteinander in seiner Nachbarschaft und an seinem Arbeitsplatz – ebenfalls bei Bayer – dass in hohem Maße zu seinem Gefühl, integriert zu sein, beigetragen hat. Jedoch möchte er irgendwann in seine Heimat zurückkehren, um Syrien wieder aufzubauen.
Einig waren sich Sham Malou und Ahmad Taan darin – beide Beispiele für gelungene Integration in Wuppertal – dass ein Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen eine Bereicherung darstellt.
Die Veranstaltung wurde durch orientalische Köstlichkeiten bereichert, die sich als äußerst delikat erwiesen. Außerdem führte der Musiker Yaman Suhem mit seinem Qanun (eine Art Zither mit 84 Saiten) eindrucksvoll in die Musik seiner Heimat Syrien ein.
Susanne Giskes vom Orga-Team gab zum Abschluss ihrer Hoffnung Ausdruck, dass so ein Abend zur Tradition bei der LIT.ronsdorf werden sollte.
KW41 | 11.10.2026
Ein besonderer Abend der Begegnung
Die LIT.ronsdorf zu Gast bei „Miteinander in Ronsdorf“




