KW08 | 22.02.2026

Die Bereitschaftspolizei erwartet Sanierungspläne

Andreas Bialas (MdL) fordert die Offenlegung durch Innenminister Reul

Hinter solchen Toren sollen teure Einsatzfahrzeuge gesichert sein. (Foto: db)

(Hb./LMP) Wuppertal macht in den letzten Wochen und Monaten zunehmend Schlagzeilen in den bundesweiten Medien – der Zustand des Geländes und der Gebäude der Bereitschaftspolizei an der Müngstener Straße und die Fragen nach einer längst überfälligen Sanierung beschäftigen längst nicht mehr nur den Innenminister des Landes NRW und den Wuppertaler Polizeipräsidenten. Dabei ist das Thema altbekannt. In den 17 Gebäuden sind dort auf einer Gesamtfläche von 73.000 Quadratmetern heute unter anderem zwei Einsatzhundertschaften, eine „Technische Einsatzeinheit“ mit Wasserwerfern und Sonderfahrzeugen, und eine Taucherstaffel untergebracht – unter teilweise absurden Bedingungen.
Zum Hintergrund: Der Polizei-Standort auf Lichtscheid ist schon als „historisch“ zu bezeichnen. Dort, wo in dem Dreieck zwischen Müngstener und Oberer Lichtenplatzer Straße von 1909 bis 1952 das legendäre „Barmer Stadion“ stand, wurden bereits in den 1920er Jahren erste Unterkünfte für die damalige Schutzpolizei errichtet. Nachdem das Gelände nach dem Krieg von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt worden war, wurde es seit 1947 wieder von der Polizei-Ausbildungsschule genutzt. 1950 gab es noch Pläne seitens der Stadt, das Barmer Stadion wieder in Betrieb zu nehmen. Letztlich wurde das Gelände jedoch vom NRW-Innenministerium beansprucht und dann auch tatsächlich 1952 an das Land verkauft. Das Stadion wurde abgerissen und in die alten Kasernen zog die neu aufgebaute Bereitschaftspolizei ein. Weitere Neubebauungen erfolgten in den 1970er Jahren.
Seitdem sind die Gebäude im wahrsten Sinne des Wortes „in die Jahre gekommen“ – von „maroden Abwasserleitungen“, nicht nutzbaren Duschen und Treppen sowie kaputten Heizungen und Aufzügen ist die Rede. Ein Zustand, der dann irgendwann dazu führte, dass eine Sanierung nicht mehr möglich erschien. So wurde bereits vor über zehn Jahren über die „Zukunft der Bereitschaftspolizei“ in Wuppertal diskutiert. Damals gab es jedoch noch Pläne, auf dem landeseigenen Gelände an der Parkstraße neuzubauen – dort, wo heute die Justizvollzugsanstalt sowie die Justizvollzugs- und Finanzschule des Landes NRW untergebracht sind. 2017 lagen wohl sogar schon fertige Raumaufteilungen für die zukünftigen Polizeigebäude vor. Doch dann kam alles ganz anders: Innenminister Herbert Reul verwarf die Neubau-Pläne, stattdessen fiel 2020 die Entscheidung, das Gelände an der Parkstraße für die neue Forensische Klinik zu nutzen.
Nun wäre also doch wieder eine Sanierung der Liegenschaft an der Müngstener Straße dringend nötig – doch die lässt auf sich warten. Streitpunkt und Grund für den „Sanierungsstau“ sind in erster Linie die Kosten, die vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) veranschlagt werden. Hinzu kommt die Frage der Refinanzierung, denn die soll über die künftig erhöhten Mieteinnahmen des BLB vom Innenministerium und der Polizei getragen werden. Über allem stehen aber auch die Baupläne an sich, deren Offenlegung der Wuppertaler Landtagsabgeordnete Andreas Bialas in einer Pressemitteilung der vergangenen Woche forderte: „Was für ein Geheimnis versteckt Innenminister Reul bezüglich der Bereitschaftspolizei vor uns?“, fragt Bialas darin. „Seit Monaten fordern wir die Offenlegung der Pläne für die Sanierung bzw. den Neubau der Gebäude an der Müngstener Straße.“ Zu den im Raum stehenden Mietforderungen des BLB stellt Bialas folgende Rechnung auf: „Aus einzelnen bisher bekannten Zahlen lässt sich Folgendes grob vermuten: Derzeit zahlt man für die Müngstener Straße ca. 3,7 Millionen Euro Miete im Jahr, für 8,76 Euro den Quadratmeter. Umgerechnet wären das 35.000 Quadratmeter. Wenn der BLB nach Neu- und Umbau 600 Millionen in 20 Jahren Mietzahlungen rückerstattet haben möchte, und man hierbei auch 35.000 Quadratmeter unterstellt, dann wären das über 17.000 Euro pro Quadratmeter. Ein hochwertiges und schlüsselfertiges Einfamilienhaus wird derzeit mit ca. 4.000 Euro den Quadratmeter veranschlagt? Das ist doch völlig irre, was da läuft. Wird da in Wuppertal Neuschwanstein nachgebaut?“
Bialas möchte wissen, wieviel der Neubau für die Hundertschaften tatsächlich koste und was die genauen Planungen umschließe. Angesichts herabtropfender Fäkalien und geplatzter Rohre sei keine Zeit mehr für langwieriges Abwägen und Taktieren, so Bialas weiter: „Reul muss jetzt endlich handeln und eine tragbare Lösung vorlegen!“
Auf Nachfrage des SonntagsBlatts teilte uns die Pressestelle des BLB hierzu Folgendes mit: „Es handelt
sich um ein laufendes Verfahren. Ziel ist es, gemeinsam mit dem Ministerium des Innern schnellstmöglich Lösungen zur gemeinsamen Umsetzung des Projektes zu erzielen.“
Dass die Zeit drängt, dürfte den Planungsverantwortlichen klar sein – schließlich steht der Neubau der Forensik an der Parkstraße auch bereits seit 2020 fest, der Baubeginn wurde jedoch zuletzt für März 2026 avisiert, die Fertigstellung für Juni 2028 (das SonntagsBlatt berichtete). Ob die Einsatzkräfte der Polizei auf Lichtscheid weitere acht Jahre lang darauf warten können, vernünftige Arbeitsbedingungen vorzufinden, sei bereits jetzt anheimgestellt.

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