(Lü./PK) Der Weltladentag (9. Mai) steht in den Startlöchern. Das ist der Zeitpunkt der Ökumenischen Initiative in Lüttringhausen, Betreiber des F(l)air-Weltladens, Gäste einzuladen, um einen kritischen Blick auf das Geschehen des Welthandels zu werfen.
In der vergangenen Woche konnten Ralf Schnippering und Manfred Brauers den Koordinator im Regionalen Dienst der Vereinten Evangelischen Mission Matthias Schmid begrüßen. Der Referent hatte mit Cornelia Hoffmann, Vorstandsmitglied des Freundeskreises der Ev. Pfadfinder Grafen von Berg e.V., eine kompetente Partnerin mitgebracht. Beide erstatteten Bericht über die teils skandalösen Bedingungen, unter denen im südlichen Italien die zumeist afrikanischen Wanderarbeiter ausgebeutet werden – und was dagegen getan wird.
Italien braucht afrikanische Wanderarbeiter, denn von Oktober bis März steht die arbeitsintensive Orangenernte an. Die Arbeiter aus allen Teilen Afrikas werden jedoch nicht gut behandelt und zum Teil brutal ausgebeutet. Dafür sorgen die Betreiber der Orangenplantagen und die örtliche Mafia. Rund zehn Prozent der Wanderarbeiter sind illegal in Italien.
Die Arbeiter leben zum Teil in primitivsten Unterkünften ohne fließend Wasser und ohne Strom, teils gar unter freiem Himmel. Sie verdienen rund 30 Euro am Tag, kein Lohn, der für ein Leben in Würde reicht.
Um diese Umstände zu bekämpfen hat sich „SOS Rosarno“ gegründet, ein Verein, der den direkten Kontakt zwischen Obstbauern, Arbeitern und Einkaufsgemeinschaften sucht und dafür sorgt, dass alle Beteiligten einen fairen Preis erhalten. Der Verein unterstützt die Initiative „Mediterranean hope“, die die Lage der Geflüchteten, die über das Mittelmeer kommen, verbessern möchte.
Im September 2022 eröffnete in Rosarno, eine Stadt in Kalabrien mit knapp 15.000 Einwohnern, das „Haus der Würde“, das aktuell Platz für 40 Personen bietet und als „Experiment mit einem alternativen Modell zu den Auffanglagern“ bezeichnet wird. Faktisch ist es ein Sozialwohnheim, hauptsächlich für die Wanderarbeiter. Für „SOS Rosarno“ arbeiten inzwischen 12 feste Mitarbeiter und 35 feste Erntehelfer. Der Verein hat so den Zwischenhandel ausgeschaltet – alles moderate Verbesserungen. Selbst die erwarteten Probleme mit der örtlichen Mafia sind überschaubar, da die Solidarität der Bauern untereinander zugenommen hat. So kann fairer Handel gelingen.
Die Aktion „Süß statt bitter“ bringt diese süditalienischen Orangen in das Bergische Land. Mit dem Ankauf der kalabrischen Orangen leistet diese Aktion einen konkreten Beitrag zum Gelingen des Projekts „SOS Rosarno“.
Für weitere und tiefergehende Informationen zum Thema gibt es die Webseite „Faire-Orangen.de“
KW19 | 10.05.2026
Bittere Orangen – Süß statt bitter
Referat über die Ausbeutung bei der Orangenernte




