(Ro./Bu.) Dass 200 gedruckte Programmhefte für den Pfingstgottesdienst in der Reformierten Kirche nicht reichen würden, konnte wohl niemand antizipieren. Rund 300 hätten es sein dürfen, trafen sich doch dieses Mal die drei evangelischen Kirchengemeinden Beyenburg-Laaken, Heckinghausen und Reformiert Ronsdorf – seit drei Jahren eine Weggemeinschaft bildend – zum traditionell einmal im Jahr stattfindenden gemeinsamen Gottesdienst an der Kurfürstenstraße mit einem gleichzeitig laufenden gottesdienstlichen Angebot für Kinder.
Nicht nur Pfarrerin Judith Denker und Pfarrer Kai Berger der Schwester-Gemeinden waren anwesend, begleitet wurden sie durch eine ansehnliche Zahl ihrer Gemeindemitglieder aus Heckinghausen und Beyenburg-Laaken.
Unter dem Leitsatz „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2. Korinther 3,17) entfaltete sich mit einem minutiös aufeinander abgestimmten Text- und Liedgut sowie mit der Predigt von Superintendent Pfarrer Dr. Jochen Denker ein Gottesdienst, in dem sicher für viele spürbar der Geist des Pfingstfestes wehte.
Mit der Lesung aus Briefen des Paulus legten Kai Berger und Judith Denker den Grund für die Predigt, in der Jochen Denker deutlich werden ließ, „dass uralte Worte und Gedanken der Bibel aktuell und relevant sind“ … „brandaktuell“, wie er betonte.
Und so bezog er sich zunächst auf die sich am Vortag (23. Mai) zum 77. Mal jährende Verkündigung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und klassifizierte die wichtigsten Grundrechte als Freiheitsrechte.
Herausstellend, dass niemand diese Rechte missbrauchen dürfe, man für diese einstehen und sie gegebenenfalls verteidigen müsse, wies er auf das im Grundgesetz enthaltene Recht auf Widerstand (Art.20.3) im Falle fehlender anderer Optionen.
„An der Wiege unserer Demokratie vor 77 Jahren stand eine unbändige und streitbare Freiheitssehnsucht. Nie wieder Faschismus. Nie wieder Diktatur. Nie wieder eine totale Herrschaft von Menschen über Menschen“, konstatierte er und traf – wie häufig – das, was gegenwärtig viele Menschen in diesem Land umtreibt und quält.
Groß gedacht, gilt es ebenso im Kleinen, denn die individuelle Freiheit jeder/jedes Einzelnen bedürfe der Begrenzung dort, wo sie die anderer einenge oder verletze. Freiheit brauche Regeln.
So sei die Freiheit in der Bibel stets gebunden an Gott und habe eine klare Zielsetzung: der Liebe Raum zu geben, dem Gemeinsinn und der Solidarität in einem Leben in Beziehung zu Gott und zu all seinen Geschöpfen. Christenmenschen lernten bei Gott, dass Freiheit Verantwortung bedeute. Sündhaftem Verhalten freien Raum zu geben, sei keine Freiheit, streue es doch Vorurteile und Lügen, säe Hass, verweigere der Liebe ihren Raum und spalte so die eine Menschheit. Wirkliche Freiheit bedürfe der Gebote Gottes und seines Geistes, dessen Kommen man an Pfingsten feiere, weil er Menschen verändere.
Sein Geist führe uns „auf den Weg der Freiheit, die gerade darin besteht, dass wir uns nicht wieder zu Knechten herrenloser Gewalten machen lassen und trügen sie noch so wunderbare Namen wie, Freiheit‘, ,Religion‘ oder ,Moral‘“, mahnte Jochen Denker.
Zum Ende seiner Predigt fand er zu dem eindrücklichen Appell: „Wir brauchen ein hörendes (…), sehendes (…), ein fühlendes Herz, das (…) für Menschlichkeit schlägt und noch in der härtesten Auseinandersetzung von Barmherzigkeit weiß, ohne die das Leben zur Hölle wird.“ Ein Gebet am Ende der Predigt und das sich anschließende gemeinsame Lied verdichteten noch einmal seine Botschaft.
Vom Anfang bis zum Ende des Gottesdienstes brillierte die Gemeindeband von Reformiert Ronsdorf – wenn auch am Sonntag nicht in voller Besetzung – und stellte einmal mehrunter Beweis, dass sie nicht nur instrumentell neben der Orgel, sondern auch gesanglich mit Recht zu einem prägenden und außerordentlichen Bestandteil der Gottesdienste geworden ist.
Der Einladung zu einem geselligen Miteinander auf dem Kirchplatz nach dem Gottesdienst folgten die meisten. Mit Grillwurst, einem herzhaften und einem süßen Büffet – gezaubert von zahlreichen ehrenamtlichen Händen – bewies die Reformierte Gemeinde wieder einmal ihre Gastfreundschaft.
Bei strahlendem Sonnenschein und mediterranem Himmel ließ man es sich mit anregenden Gesprächen, erfrischenden Getränken und schmackhaftem Essen unter schattenspendenden Sonnenschirmen mehr als gut gehen, pflegte das gute Miteinander der Weggemeinschaft und zeigte auch hier, wie in der digitalen Einladung im Newsletter der Reformierten dargestellt: „Wir tauschen uns aus, wir helfen uns gegenseitig, wir kooperieren und wir lernen voneinander und miteinander.“



