(Hb./LMP) Im Rahmen der „Barmer Bach-Tage“ konnte Hermann-Josef Brester als Vorsitzender des Heidter Bürgervereins am Mittwochabend einen musikalischen Leckerbissen in der gut besuchten Lichtenplatzer Kapelle präsentieren. Prof. Dr. Joachim Dorfmüller spielte das Programm „Mit dem Klavier-Präludium durch fast drei Jahrhunderte“. Schon mit dem ersten Stück – Johann Sebastian Bachs 1722 geschriebenes „Präludium mit Fuge
B-Dur“ aus der Sammlung „Wohltemperiertes Klavier“ – spürte man, dass dieser Abend ein ganz besonderer werden würde. Es folgte ein Werk von Bachs Zeitgenossen Georg Friedrich Händel: die „Große Suite in A-Dur mit Präludium und den Tänzen Allemande, Courante und Gigue“. Aus Hermann-Josef Bresters glänzender Moderation (an dessen fachlicher Ausarbeitung Dorfmüller selbst mitgewirkt hatte) erfuhr man, dass unser Musiksystem 24 Tonarten – zwölf Dur- und zwölf Moll-Tonarten – kennt und dass Bach der erste Komponist war, der 24 Präludien und Fugen über alle diese Tonarten geschrieben hat.
So verließ Dorfmüller in seinem Programm nun das Barock und die Klassik und schlug einen Bogen zur Romantik mit einem Verehrer Bachs, der im 19. Jahrhundert ebenfalls 24 Prèludes für das Klavier geschrieben hat: Frèdèric Chopin. Vier dieser Prèludes gab der begnadete Musiker zum Besten, eine im Stile einer polnischen Mazurka, die anderen teils von Melancholie geprägt, und dann wieder von fast beethovenschem c-Moll-Pathos. Es war ein Hochgenuss, die Leichthändigkeit und die Spielfreude des 87-jährigen Musikers zu beobachten, der an diesem Abend sämtliche Stücke ohne Notenblatt spielte.
Mit drei Prèludes von Claude Debussy folgte ein weiterer Komponist des 19. Jahrhunderts, bevor Dorfmüller den Sprung ins 20. Jahrhundert wagte: George Gershwin war gleichsam ein Bewunderer Bachs und hatte sich ursprünglich vorgenommen, ebenfalls 24 Präludien zu schreiben. Es wurden nur fünf, und davon wurden wiederum nur drei 1926 veröffentlicht. So konnte der Musiker erneut seine enorme Bandbreite beweisen, denn mit einem Charleston, einem Blues und einem rasanten Foxtrott erklangen nun ganz andere, nicht weniger meisterliche Akkorde in der Kapelle auf Lichtscheid.
Ebenfalls 24 Mini-Präludien hat der 1947 geborene norwegische Komponist Kjell Mørk Larsen verfasst. Neun davon spielte Dorfmüller – seines Zeichens unter anderem als „Ritter 1. Klasse“ Träger des norwegischen Verdienstordens – am Mittwochabend. Nach diesem Ausflug in die Sphären der Zwölftonmusik und einem in der Tonfolge B-A-C-H dem alten Meister gewidmeten Werk, kehrte das Programm schließlich zu Johann Sebastian Bach zurück. Beim „Ave Maria“ – von Charles Gounod 1852 auf Basis von Bachs „Präludium in C-Dur“ komponiert – schwebten die andächtig gefühlvollen Töne wie auf Wolken im Saal der Kapelle.
Nach drei weiteren Zugaben und stehenden Ovationen für einen sichtlich bewegten Joachim Dorfmüller ging ein großartiger Abend zu Ende.
KW36 | 06.09.2026
Ein Hochgenuss
Prof. Dr. Joachim Dorfmüller spielte




