KW33 | 16.08.2026

Neuer Botschafter für das Kinder- und Jugendhospiz

Joel Dralus bringt seine eigenen Erfahrungen in das wichtige Amt mit ein

Übergabe der Ernennungsurkunde an den neuen Hospiz-Botschafter: Dr. Sabine Federmann (Diakonie, Vorstandsvorsitzende der Stiftung), Andreas Müller (Caritas, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung) und Joel Dralus (v.l.n.r.). (Foto: LMP)

(W/LMP.) Die Liste der Botschafter:innen für das Kinder- und Jugendhospiz Bergisch Land ist lang. Da stehen unter anderem die Namen der Schauspielerin Veronica Ferres, des Fußballprofis Lars Bender, des Publizisten Günther Wallraff und des Politikers Dr. Jürgen Rüttgers. Seit Dienstag hat die Einrichtung im Burgholz mit Joel Dralus einen weiteren Botschafter, der vielleicht weniger prominent, dafür aber eine ebenso beeindruckende Persönlichkeit ist.
Joel Dralus kennt die Einrichtung an der Kaiserhöhe seit ihrer Eröffnung vor elf Jahren, weil er selbst dort untergebracht war. Der 24-Jährige leidet seit seiner Geburt an einer Nemalin-Myopathie, einer seltenen, genetisch bedingten Muskelerkrankung. Seine Lebenserwartung lag ursprünglich bei zehn Jahren. Doch Joel Dralus gab sich nie auf. Zehn Jahre lang besuchte er eine Förderschule, machte dann auf einem Förderberufskolleg in Volmarstein seinen Hauptschulabschluss, bevor er auf einem Internat in Hürth das Abitur mit der Traumnote 1,2 ablegte. Inzwischen studiert er in Köln im dritten Semester Jura.
Mit dem Hospiz im Burgholz verbindet ihn eine enge persönliche Beziehung: „Als ich mit 13 das erste Mal hier war, habe ich mich sofort in die Örtlichkeit verliebt“, sagt Dralus. Es sei schön zu spüren, dass man dort in jeglicher Hinsicht aufgefangen werde, erzählt er weiter: „Als Teenager wollte ich auch einfach mal sauer darüber sein, dass ich diese Krankheit habe. Und das konnte ich hier.“ Es habe ihm gutgetan, dort über die Krankheit und den Tod sprechen zu können, in einem Umfeld, in dem man sich nicht ständig erklären müsse. Kinder- und Jugendhospize seien deshalb viel mehr als nur eine Sterbebegleitung.
Deshalb sieht der neue Hospiz-Botschafter, der seit drei Jahren auch parteipolitisch engagiert ist, seine Aufgabe in der Aufklärungs­arbeit: „Manche In­stitutionen wie zum Beispiel Krankenkassen sind häufig sehr weit von der Wirklichkeit ei­nes Kinderhospizes entfernt“, weiß Joel Dralus. „Betroffene werden in den Diskussionen oft nicht mit ins Boot genommen“, sagt er. Im November letzten Jah­res war Dralus bereits Teilnehmer beim Deutschen Kinderhospiz-Forum und konnte dort aus seinen eigenen Erfahrungen berichten.
Demnächst ist er beim Podcast „Kinderspielwiese“ der Schauspielerin Nora Schilling dabei, nutzt darüber hinaus aber auch selbst die Social Media, um sich für die Belange hilfebedürftiger Menschen einzusetzen.
Joel Dralus weiß, wovon er spricht: „Letztes Jahr wollte ich zu einer Wahlkampfveranstaltung nach Thüringen. Ich bin nie dort angekommen. Entweder waren die Bahnhöfe nicht barrierefrei oder die eingesetzten Züge der Bahn.“
Sein Jurastudium und sein politisches Engagement sieht Dralus als „Werkzeug“, um politische Tragweite zu erreichen: „Ich war mein ganzes Leben lang auf Hilfe angewiesen und will den Menschen nun etwas zurückgeben, indem ich ihnen bei ihren Problemen helfe“, erklärt er.
Die Ernennungsurkunde zum Botschafter des Kinder- und Jugendhospizes, die er aus den Händen der Stiftungsvorsitzenden Dr. Sabine Federmann (Diakonie), ihrem Stellvertreter Andreas Müller (Caritas) und der Geschäftsführerin Kerstin Wülfing entgegennahm, wird ein weiterer Baustein für seine engagierte Arbeit sein.

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