(Ro./LMP) Dunkle Wolken am Himmel des Wuppertaler Reit- und Fahrvereins Gelpe (WRFG): Der Bezirksvertretung (BV) Ronsdorf lag in der Sitzung am Dienstag eine Beschlussvorlage des städtischen Ressorts „Bauen und Wohnen“ zur Anhörung und Empfehlung vor, nach der die Reitanlage am Dorner Weg für eine Wohnbebauung umgenutzt werden soll. Die Vorlage wird am 2. Juli im Stadtentwicklungsausschuss des Rates der Stadt Wuppertal zur Entscheidung eingebracht. Da die Anlage gleich drei Stadtbezirke berührt, werden zuvor die Bezirksvertretungen Ronsdorf, Barmen (am 23. Juni) und Elberfeld (am 24. Juni) für eine Empfehlung angehört.
Die Brisanz steckt im Detail. Grundstückseigentümer der Anlage ist seit 2019 die „Bergische Reitsportakademie Gelpe (BRAG)“ selbst, die eigentlich ein Interesse am Erhalt der Sportanlage haben sollte.
Der Beschlussvorschlag folgt jedoch einer Anfrage eben dieses Grundstückseigentümers, die Reitanlage mit einer „maßvollen wohnbaulichen Neubebauung“ umzunutzen und „die Voraussetzungen für eine wohnbauliche Entwicklung zu konkretisieren“. In der Begründung heißt es, dass die bestehende Reithalle belegbar erhebliche bauliche Mängel aufweise und insgesamt für einen zukunftsfähigen Reitsport nicht mehr geeignet sei. Unter anderem müssten die Reithalle und die Pferdeboxen abgerissen und vergrößert werden, um den heutigen Anforderungen an den Pferdesport gerecht zu werden. Das wäre aber nur im Rahmen eines Bebauungsplanes möglich, der jedoch bisher an formellen und materiellen Hürden gescheitert sei. Zudem wären damit erhebliche finanzielle Risiken für den Eigentümer verbunden. Zur sinnvollen Nachnutzung des Grundstü-ckes nach Beendigung der reitsportlichen Nutzung sollen daher die ehemalige Wagenhalle und andere Anlagen abgerissen oder rückgebaut werden. Im Anschluss soll eine einreihige Straßenrandbebauung den Siedlungsbereich ergänzen. Geplant ist eine Mischung aus Einfamilien- und kleineren Mehrfamilienhäusern.
Das würde am Dorner Weg das Aus für den Reit- und Fahrverein und eben für die Reitsportakademie bedeuten. Dabei ist das Thema an sich nicht neu. Bereits vor sieben Jahren war auf der Anlage von einem „Sanierungsstau“ die Rede gewesen, der sich über Jahrzehnte hinweg entwickelt habe. Damals hatte noch der Reit- und Fahrverein selbst das Gelände von der „Vorwerkschen Grundstücksverwaltung“ gepachtet, die den Zustand der Anlage seinerzeit bereits bemängelte.
Der damalige Vorstand des Reitvereins scheiterte an einem eigenen Sanierungskonzept, woraufhin noch im selben Jahr 2019 die BRAG als neuer Betreiber der Anlage einstieg. Ins Boot geholt hatte sie Rainer Schmitt-Sasse, der inzwischen den Vorsitz des WRFG übernommen hatte, um zu retten, was zu retten war – der Verein stand damals kurz vor der Insolvenz. Die BRAG kaufte damals – organisiert als GmbH und Co. KG und mit Michaela Aghazadeh als Kommandi-
tistin – das Gelände von der Vorwerkschen Grundstücksverwaltung. Im März 2025 schied die Kommanditistin wiederum aus der Gesellschaft aus und Ali Aghazadeh übernahm das Ruder der BRAG. Seitdem besteht – interessanterweise – laut der Beschlussvorlage wohl auch der Kontakt zwischen dem Grundstückseigentümer und der Stadt Wuppertal, um „eine Umnutzung der defizitären und stark sanierungsbedürftigen Reithalle zu initiieren“.
Rainer Schmitt-Sasse war nun als Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins am Dienstag der Einladung in die Sitzung der BV gefolgt. Er nahm dort die Gelegenheit wahr, auf die Bedeutung des Reitvereins und der von ihm genutzten Anlage hinzuweisen. Der Verein habe seit 1949 seine Heimstatt am Dorner Weg und sei mit seinen 250 Mitgliedern der einzige, der noch einen Reitschulbetrieb für Kinder und Jugendliche anbiete. Der Verein zähle 150 Reitschüler:innen pro Woche und beschäftige dafür ein bis zwei Vollzeitkräfte.
Als Entscheidungsgrundlage für eine Empfehlung genügte das den BV-Mitgliedern nicht. Man wolle auch die Argumente des Eigentümers prüfen, hieß es. Doch die Zeit drängt – der Stadtentwicklungsausschuss könnte am 2. Juli auch ohne Empfehlung der Bezirksvertretungen einen Beschluss fassen. Daher werden sich nun zeitnah Bezirksbürgermeister Harald Scheuermann-Giskes und sein Stellvertreter Dirk Müller mit ihren Amtskollegen in Elberfeld und Barmen kurzschließen, um sich weiter zu beraten.
Scheuermann-Giskes wiederum wies auch darauf hin, dass der Verwaltung bereits eine Bürgerbeschwerde gemäß § 24 der Gemeindeordnung vorliege. Das könnte der von der BV nun aufgrund des Beratungsbedarfes beschlossenen Vertagung des Tagesordnungspunktes zeitlich zugutekommen.
KW25 | 21.06.2026
Auf’m Rücken der Pferde liegt’s Glück dieser Erde
Was wird aus der Reitsport-Anlage am Dorner Weg? Bezirksvertretung will Klärung.




