(Lü./PK) Am Wochenende war Premiere des neuen Stü-ckes der Lüttringhauser Volksbühne: „Irren ist männlich“ – wie alle Schwänke des Ensembles aus der Feder von Christian Wüster, Dramatiker und 1. Vorsitzender der Volksbühne. An der Gestalt der Stücke hat sich im Verlauf der letzten Jahre nichts geändert: Zwei Hälften – beide rund 50 Minuten lang – durch eine Pause getrennt, am Ende singt man das „Bergische Heimatlied“. Aber am Inhalt gibt es bei „Irren ist männlich“ Neues zu bestaunen.
Zunächst einmal fällt auf, dass man eine negative Person, den sogenannten Bösewicht, vergebens sucht. Den gibt es in diesem Jahr nicht, dafür eine Menge skurriler Personen: die Geschwister von Zaster zum Beispiel, äußerst wohlhabend und ebenso arrogant, die – der Namensphantasie des Autors sei gedankt – auf solch schöne Vornamen hören wie Schotterlinde und Reichhild oder Lumpen-Lisbeth, das trinkfeste Dorf-Original, Franz Kraxlhuber, der bayrische Urlauber, der Kölschbier hasst und Unverständliches in seinem angeblich bayrischen Dialekt brabbelt, dazu Uschi Bummfiedel, die etwas von Tina Hausten aus der Heute-Show hat und die zwischen abstrusen Äußerungen zu Schein und Sein auch deutsche Philosophen zitiert („Heidegger hat gesagt, dass…“) – und ihren Sohn, der auf den Namen Horst-Monika hört, den man, nimmt man die Anfangsbuchstaben seiner beiden Vornamen, auch trefflich abkürzen kann.
Es dauert eine Weile, bis all diese Figuren ins Stück eingeführt und charakterisiert werden, aber jede Minute lohnt sich. Die Gags sind erlesen und teils gar nicht einfach zu verstehen. Einige Wortspiele lassen auflachen. So wie: „Das ist mein voller Ernst.“ „Der volle Ernst sitzt bei uns am Tresen.“
Und plötzlich – niemand hat es kommen gesehen – ist das Wasser weg. Buchstäblich weg. Es fließt nichts mehr. Und das gibt Ärger. Im Nu machen sich Männer und Frauen gegenseitig Vorwürfe – und gehen in einen Streik. Nur Ruth Hari, Gastwirtin im Dorf und Ehefrau von Karl A. Hari, weiß, dass das Böse enden wird. „Alle drehen durch, weil das Wasser weg ist“, resoniert sie. „Alle verheddern sich im Klein-Klein. Und am Ende stehen alle vor leeren Eimern.“
Aber es gibt ja die Mitarbeiterin der unteren Wasserbehörde, die Claire Grube heißt und gemeinsam mit Karl A. dem Spuk ein Ende macht.
Gegen Ende der amüsanten 100 Minuten hat man keinen Bösewicht – und keine Liebesgeschichte – gesehen und hat Beides nicht vermisst. Zu kurzweilig und humorvoll beschreibt Wüster die Dorfbewohner:innen und deren Tun. Auch gelegentlichen schwarzen Humor (Sie: „Ich habe Idealgewicht.“ Er: “Dein Idealgewicht ist dreieinhalb Kilo – inklusive Urne.“) verzeiht man dem Autor gerne. Und sein Solingen-Bashing ist ja schon Kult und wird von vielen Gästen der Aufführungen – zur Premiere waren es über 180 – bereits erwartet. Und trotz der beschriebenen Neuerungen: Am Ende singt man gemeinsam das Bergische Heimatlied. Das gesamte Ensemble ist zu loben, weshalb an dieser Stelle auf die Aufzählung von Namen verzichtet werden soll. Viele Rollen sind ohnehin doppelt besetzt.
Weitere Aufführungen wird es an den kommenden Wochenenden geben: Am 20. und 21. Juni sowie am 27. und am 28 Juni jeweils um 16.00 Uhr auf dem Gelände der Volksbühne unweit der Evangelischen Kirche auf dem Ludwig-Steil-Platz. Am 8. November wird das Stück um 15.00 Uhr im Remscheider Teo-Otto- Theater aufgeführt. Karten für die Freiluftbühne in Lüttringhausen sind ausschließlich am Spieltag vor Ort an der Kasse der Heimatbühne erhältlich.
KW25 | 21.06.2026
Skurrile Figuren in wasserlosen Zeiten
Die Lüttringhauser Volksbühne legt wieder los mit „Irren ist männlich“




