(Elb./PK) Wenn jemand einen fundierten und intensiven Blick auf die Wuppertaler Schwebebahn werfen kann, dann ist dies sicher Dr. Christian Kindinger, Betriebsleiter des Transportmittels.
Am Donnerstagabend referierte Dr. Kindinger beim offenen Abend in der Johanneskirche über das Thema „125 Jahre Wuppertaler Schwebebahn“. Knapp 100 interessierte Gäste füllten den Vortragssaal beinahe komplett.
Dr. Kindinger hatte seinen gut 70-minütigen Vortrag in vier Kapitel aufgeteilt. Er begann sein Referat mit der Entstehung der Schwebebahn, bezog Eugen Langen, den „Erfinder“ des Bergischen Lindwurms mit ein, erwähnte, dass es bis zum Erreichen der ersten 20 Millionen Fahrgäste 25 Jahre dauerte, warf Seitenblicke auf den „Blauen Enzian“ von 1962 und auf Tuffi, den
Elefanten und beschrieb das Geräusch, das der Kaiserwagen beim Fahren erzeugt. „Ein Geräusch, das wir alle vermisst haben.“ Immerhin: Seit dem 24. Mai dieses Jahres fährt der Kaiserwagen wieder regelmäßig durch das Tal der Wupper.
Einen großen Abschnitt seines Referats widmete der Schwebebahn-Betriebsleiter der Technik der Bahn. Er beschrieb den Prototyp, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts satte 16 Stundenkilometer erreichen konnte. „Der Wagen wog rund 13 Tonnen und hatte keine Federung.“ Der erste durchgängige Gelenktriebwagen nahm 1962 seine Arbeit auf. Die orange-blauen Fahrzeuge fuhren bis zum Mai 2019 und wurden dann durch die neue hellblaue Generation ersetzt. Nicht nur optisch fand ein Wechsel statt, auch die Stromversorgung änderte sich: Ehemals mit 600 Volt unterwegs fährt die Schwebebahn seit 2019 mit 750 Volt. Mit der neuen Wagengeneration können pro Zug 128 Menschen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h (begrenzt auf 60 km/h) mit einer Leistung von vier mal 260 KW über die Talachse bewegt werden.
Die augenblickliche Situation der Schwebebahn bezeichnete Dr. Kindinger als sehr gut. Pro Jahr nutzen rund 20 Millionen Fahrgäste das Transportmittel, im Schnitt sollte alle dreieinhalb Minuten ein Wagen fahren, eine Tour von Oberbarmen nach Vohwinkel (oder entgegengesetzt) dauert 29 Minuten, die Zuverlässigkeit der Bahn beträgt 99,1 Prozent. Das Betriebssystem ist inzwischen voll digital. „Das alles sei beeindruckend, trotzdem wolle sich die Schwebebahn noch verbessern. Man strebe einen Zwei-Minuten-Takt an“, erklärte Dr. Kindinger. Bis 2030 werde man alle Haltestellen ausbauen und auf einen modernen Stand bringen. Zum 125-jährigen Jubiläum wird es im September 2026 noch ein großes Fest in der ganzen Stadt geben. Alles in allem könnte man sagen: „Die Schwebebahn ist zum Teil quietschend, aber immer sicher.“ Mit Mut und Pioniergeist habe das Kapitel Schwebebahn begonnen und gehe auch so weiter.
Die Fragen aus dem Publikum beschäftigten sich mit der Frage nach dem Transport von Menschen, die auf die Beförderung mit Rollstühlen angewiesen sind. Dürfen zwei Rollstühle in einem Schwebebahnwagen mitfahren? Laut Beförderungsanweisung nicht, aber Dr. Kindinger machte auf ein „gewisses Fingerspitzengefühl“ aufmerksam, das viele Schwebebahnfahrer hätten.
Sehr vorsichtig antwortete der Vortragende auf die Frage nach dem autonomen Schweben durchs Tal – sprich: Das Fahren der Schwebebahn ohne Fahrer. Christian Kindinger sehe das mit der aktuellen Wagengeneration nicht: „Aber vielleicht und frühestens in 15 Jahren.“
KW24 | 14.06.2026
Mit Mut und Pioniergeist
„Zum Teil quietschend, aber immer sicher!“




