(Ro./PK) Auf dem Programm der musikalischen Pfingstvesper in der Ronsdorfer Lutherkirche steht natürlich viel Musik. Die Familie Auhage / Caspari wurde in diesem Jahr vom Evangelischen Chor der Gemeinde unterstützt. Außerdem trug Christoph Voigt mit seinen Wortbeiträgen zum Gelingen des Pfingstnachmittags bei.
Der Familienverbund mit seinen Mitwirkenden Christian Auhage (Piano) Eva Caspari (Violine) und Johann Auhage (Cello) wurde mit einer weiteren Geigerin zum Quartett: Luise Auhage. Während der elfjährige Johann stoisch und ohne eine Miene zu verziehen, schwierigste Passagen mit rasenden Wechseln zwischen pizzicatto und Bogeneinsatz bewältigte, sang der Chor die kleine aber feine „ Missa a 3“ des zu Beginn des 19 Jahrhunderts in Prag geborenen Johann Wenzel Kalliwoda. Davor erklang zum Entree eine Komposition von Johann David Heinichen.
All das war tolle Musik, sehr gut gespielt. Und dann trat Luise Auhage nach vorne und spielte gemeinsam mit Vater Christian Auhage „Nigun“ von Ernest Bloch. „Nigun“ ist ein hebräischer Ausdruck für Melodie und bezieht sich auf religiöse Gruppengesänge. Ernest Bloch – 1880 in Genf geboren und später in die USA ausgewandert – hatte das Stück als Mittelteil seiner Baal-Chem-Suite komponiert. Es ist gespickt mit Doppel- und Mehrfachgriffen, technisch hoch anspruchsvoll und gestalterisch fordernd.
Luise Auhage ist 16 Jahre alt und berichtete im Gespräch mit dem SonntagsBlatt, dass sie zur Zeit das Musik-Gymnasium in Weimar besucht. Das Gymnasium ist eine Schule für hochbegabte junge Menschen. Weiß man dies, erklärt das die musikalische Güte von Luise, die an diesem Nachmittag nicht nur „Nigun“ ohne Ansicht der Noten spielte, sondern zum Ausklang auch noch den Kopfsatz der „Symphonie Espagnole“ von Édouard Lalo, der 50 Jahre vor Bloch in Lille geboren wurde. Auch diese Komposition spielt man nicht „mal eben so“. Es scheint so zu sein, dass Luise ihr erstklassiges Gefühl für Tempo und Dynamik von ihren Eltern geerbt hat.
Die Besuchenden der Pfingstvesper – mehr als 50 mögen es gewesen sein – waren zu Recht extrem begeistert von dieser musikalischen Offenbarung und applaudierten leidenschaftlich. Der weitere Weg der jungen Violinistin, die auch Piano spielen kann, wird genau zu beobachten sein.
KW22 | 31.05.2026
Die „Geburt“ einer Stargeigerin
Musikalische Pfingstvesper in der Lutherkirche




