KW20 | 17.05.2026

Street Art verändert Wuppertal

„Die Wuppertaler lieben ihre Murals“

Stefan Kühn zeigte ein bekanntes Pina Bausch-Mural, das sich über mehrere Hauswände erstreckt und im richtigen Winkel betrachtet das gesamte Bild offenbart. (Foto: PK)

(Ro./PK) „Mural“ kommt aus dem Spanischen und bedeutet schlicht „Wand“. Mit „Murals“ ist allerdings etwas mehr gemeint, nämlich ein kolossal großes Bild auf einer Hauswand oder Ähnlichem. In den letzten Jahren sind rund 50 dieser im wahren Sinne haushohen Bildnisse im Stadtgebiet entstanden. Dafür verantwortlich war zur Hauptsache der Verein UKW, der Urbane Kunstraum Wuppertal, und ganz besonders Valentina Manojlov. Aber auch Stefan Kühn, ehemaliger Stadtdirektor und aktuell Bezirksbürgermeister in Heckinghausen, hat deutliche Bezüge zu den Kunstwerken, viele von ihnen in ihrer Entstehungszeit besucht und mit den Künstlerinnen und Künstlern gesprochen. Valentina Manojlov selbst hat Kühn zum „Laberbeauftragten des Urbanen Kunstraums“ ernannt.
Kühn referierte in der Machbar über die Wuppertaler Murals, erzählte Geschichten über die Kunstwerke und ließ auch die Finanzen nicht unerwähnt. Mit Uta Atzpodien, freie Dramaturgin und Transformationsmanagerin Nachhaltige Kul­tur, hatte er eine kongeniale Gesprächspartnerin an seiner Seite.
Kühn sprach vor mehr als 80 Gästen über das Mural-Projekt, für das rund eineinhalb Millionen Euro zur Verfügung gestanden haben. „Das ergibt im Durchschnitt rund 30.000 Euro pro Bild“, berichtete er. Dabei seien alle Kosten mit eingerechnet: Hotel für die Künstler:innen, Farbe, Hilfsmittel, Miete für den Hubwagen und so fort. Das Geld, so Kühn, sei nunmehr aufgebraucht. Aber es wurden deutlich mehr Bilder hergestellt als ursprünglich gedacht.
„Wir hatten in Wuppertal keine Street-Art-Geschichte“, holte Kühn aus und fuhr fort: „Die hat Valentina Malojnov in die Stadt geholt.“ Wuppertal adaptierte die Straßenkunst (Street Art), „from zero to hero“, so nennt das Stefan Kühn sicher nicht unbegründet. Und international gefeierte Street-Art-Künstler:innen gaben sich die Klinke in die Hand, um in Wuppertal arbeiten zu können. Denn die Szene ist eng vernetzt und die Bedingungen im Bergischen waren extrem gut für die Malenden. So gab es „tolle Wände“, die den Künstler:innen zur Verfügung standen, und – vielleicht noch wichtiger: Die Malenden vollzogen keine Auftragsarbeiten, sondern hatten komplette künstlerische Freiheit. Die jeweiligen Hauseigentümer mussten im Vorfeld Verträge unterschreiben, in denen sie sich verpflichteten, die Murals mindestens fünf Jahre lang im Originalzustand auf den Hauswänden zu lassen. Zunächst hieß es: „Ein Bild sollte auf einer Wand entstehen, die der Stadt Wuppertal gehörte. Und die Stadt wollte bestimmen, was auf dem Bild zu sehen sein sollte. Das haben wir dann abgelehnt“, so Kühn.
Aber er weiß noch viel mehr über die Kunstwerke. So über das erste Wandbild, das in Wuppertal entstand: gigantisch große Hände, die in Gebärdensprache das Wort „Heimat“ bilden, über das Bildnis auf der Kirchenwand auf dem Friedhof an der Krummacherstraße, wo Pina Bausch beerdigt wurde (Pina Bausch ist auf einigen Murals verewigt), über die Künstler:innen, die aus Australien, aus der Ukraine, aus den USA und aus vielen anderen Ländern ins Tal kamen, über den Passanten, der etwas ratlos vor einem Mural stand und sagte: „Ich mag diese Kunst. Aber das hier ist Kacke.“ Über das einzige Wandbild, das einen (kleinen) Skandal auslöste: Es war in unmittelbarer Nähe zu einem Seniorenheim zu sehen und zeigte Skelette. Und über das einzige Mural, das bisher – durch sexistische Sprüche – verunstaltet worden ist und so verbleiben soll.
Offiziell ist das Projekt beendet, die Finanzen sind aufgebraucht. Aber Wuppertal hat sich verändert. Das manchmal als langweilig und etwas träge bezeichnete Wuppertal ist zu einer Stadt mit einer lebendigen Straßenkunst geworden.
Die wahre Kraft der Bildnisse erfährt man, wenn man davor steht und die Größe der Kunstwerke verinnerlicht. Der ADFC (Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club), bietet beospielsweise Touren zu den Wuppertaler Murals an. Wer sie auf eigene Faust entdecken will, findet sie (mitsamt der Adresse) auf der Internet-Seite „urbaner-kunstraum.de/ukw_
murals“.

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