KW16 | 19.04.2026

Barmer Planetarium

Gut besuchter Vortrag im CVJM

Der Standtort des Barmer Planetariums innerhalb der Barmer Anlagen. (Foto: Repro)

(Hb./PK) Der Bürgerverein Hochbarmen e.V. hatte zu einem Referat von Sabrina Engert eingeladen. Die Doktorandin an der Bergischen Universität hatte vor einigen Jahren ihre Bachelorarbeit über das Thema „Das Barmer Planetarium“ geschrieben und konnte den gut 30 Interessierten im Kaminzimmer des CVJM auf der Bundeshöhe einen umfassenden Bericht über das Zustandekommmen des Planetariums geben – bis hin zum Ende des Hauses nach nur fünf Jahren.
Die Faszination über Sterne und deren Konstellationen reicht über Länder und Generationen. Lange Zeit behalf man sich mit mechanischen Planetarien um einen Blick auf die Sterne werfen zu können. Aber das Bedürfnis nach einer adäquaten Darstellungsform war allgegenwärtig.
Die Barmer Stadtspitze (Barmen war damals noch selbständig und kein Stadtteil von Wuppertal) fragte 1913 beim bekanntesten Unternehmen an, das ein Planatarium bauen konnte: bei Zeiss in Jena. Der 1. Weltkrieg verhinderte aber genauere Pläne. Erst 1919 hatte dann Ingenieur und Physiker Dr. Walter Bauernfeld die Idee für ein optisches Planetarium.
Im Jahr 1924 reiste der Barmer Bürgermeister Dr. Paul Hartmann nach Jena, um für einen Planetarium-Standort in Barmen zu werben – mit Erfolg.
Es wurde gebaut und am 18. Mai 1926 feierlich eingeweiht. Zwölf Meter breite Treppen führten zum Eingang des ers­ten Großplanetariums der Welt, das rund 350.000 Reichsmark gekostet hatte. Der Leiter war Dr. Erich Hoffmann, ein Lehrer des Realgymnasimus an der Sedanstraße. Der Pädagoge hielt viele Vorträge im Planetarium selbst und wurde weithin sehr geschätzt.       
Es zeigte sich jedoch, dass die Stadt sich gewaltig verschätzt hatte: Die Besucherzahlen erreichten nicht annährend die erwartete Höhe. Die Einnahmen waren entsprechend niedriger. Die Ausgaben konnten knapp gedeckt werden, mehr war aber nicht drin. Der schleichende Prozess des Niederganges war von Anfang an Teil der Geschichte des Planetariums. Nach nur fünf Jahren – es war das Jahr 1931 – wurde das Barmer Planetarium wieder geschlossen.
Durch ihre ausgiebigen Recherchen war Sabrina Engert in der Lage, Genaueres über die Gründe des Scheiterns zu erläutern. Dazu zählte, wie die Wuppertalerin beschreibt, der Beginn der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929.
Auch die Machtergreifung der Nationalsozialisten trug dazu bei, da die Nazis das Planetarium in die NS-Kulturgemeinde integrieren wollten. Der wichtigste Punkt war indes ein Konkurrenzkampf. Fünf Tage nach der Eröffnung des Planetariums in Barmen wurde ein noch Größeres in Düsseldorf errichtet (das man heute noch als Tonhalle kennt und das ein gefragter Konzertsaal wurde).
Dem konnte das Barmer Planetarium nicht standhalten. Schon durch eine Bombe im 2. Weltkrieg beschädigt, wurde es im Mai 1955 abgerissen. Eine Gedenktafel in den Barmer Anlagen erinnert an den Standort des ehemals größten Planetariums der Welt ­– auch wenn es nur für fünf Tage so war.

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