KW08 | 22.02.2026

„Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger“

Evangelische Gemeinde stellt sich auch personell neu auf

Pfarrerin Friederike Slupina-Beck blickte auf das zurückliegende Jahr und in die Zukunft ihrer Gemeinde. (Foto: LMP)

(Ro./LMP.) „Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt.“ – mit diesen Zeilen aus dem Evangelischen Gesangbuch leitete Pfarrerin Friederike Slupina-Beck ihre Rede anlässlich der Gemeindeversammlung der Evangelischen Gemeinde an der Bandwirkerstraße 15 am vergangenen Sonntag ein. Gemeinsam mit den über 50 anwesenden Gemeindemitgliedern warf sie noch einmal einen Blick auf das zurückliegende Jahr.
Und das hatte es in sich: neben etlichen personellen Wechseln und zeitweiligen Vakanzen im Presbyterium wurde die Gemeinde mit dem anstehenden Vorruhestand von Pfarrerin Ruth Knebel konfrontiert. Das offizielle Datum wurde nun auch von Friederike Slupina-Beck verkündet – am 26. April wird Knebel im Rahmen eines Gottesdienstes und einer anschließenden Feier nach 33 Jahren Pfarrdienst in Ronsdorf verabschiedet. Die Stelle wird nicht neu besetzt, das heißt die Gemeinde muss mit ihren aktuell 4.632 Mitgliedern mit einer einzigen Pfarrstelle auskommen.
Das erfordert die eingangs zitierten „neuen Wege“ für die Gemeinde. Mit Christoph Voigt steht ihr ein engagierter Prädikant zur Verfügung, der im vergangenen Jahr bereits 32 Gottesdienste geleitet hat. Hilfe erhofft sich Friederike Slupina-Beck jedoch auch von der „Weggemeinschaft“ mit den Gemeinden Unterbarmen-Süd, Unterbarmen, Gemarke-Wupperfeld und (mit einem Gaststatus versehen) Dönberg. Eine kleine Steuerungsgruppe mit Vertreter:innen dieser Gemeinden trifft sich nun regelmäßig, um entsprechende Aktivitäten zu planen. So soll es fünfmal im Jahr einen gemeinsamen Gottesdienst geben – bereits am 8. März kommen die Mitglieder aller Gemeinden nach Ronsdorf, dann wird Slupina-Beck gemeinsam mit ihrem Dönberger Kollegen den Gottesdienst leiten.
In der aktuellen Situation wird die „Amtshilfe“ jedoch auch schnell sehr konkret – Pfarrerin Henriette Sauppe von der Gemeinde Unterbarmen wird sich in Ronsdorf voraussichtlich um die beliebten „Schlafanzug-“ oder „Krabbelgottesdienste“ für die kleinsten Gemeindemitglieder kümmern. Darüber hinaus setzt Friederike Slupina-Beck auf die ehrenamtliche Unterstützung aus der Gemeinde heraus. Einige der vielen Kreise und Gruppen, für die bisher Ruth Knebel zuständig war, werden zukünftig direkt von Gemeindemitgliedern betreut. Andere Betreuungen stehen nun bei Slupina-Beck zusätzlich auf der Agenda. Trotzdem gibt es Einschnitte: ab Mai wird es im Diakoniezentrum Schenkstraße nur noch einen Gottesdienst im Monat (jeweils am dritten Sonntag) geben, der Gottesdienst in der Lutherkirche entfällt dann an diesem Tag. Er wird dann jeweils zwei Tage vorher durch einen „Kraftschöpfen“-Gottesdienst am Freitag ersetzt – ein Format, das im vergangenen Jahr gut angenommen worden sei, wie Friederike Slupina-Beck zu berichten wusste.
Neben der personellen, gestaltet sich auch die finanzielle Situation der Gemeinde weiterhin brenzlig, wie neben Slupina-Beck auch Finanzkirchmeister Jörg Scherdin in seinem Bericht der Gemeindeversammlung darlegte: „Würde man in der freien Wirtschaft so arbeiten wie bei ‚Kirchens‘, wäre der Laden längst dicht“, bemängelte er die unsägliche Situation, dass zum Beispiel erst jetzt die vom Kreissynodalvorstand bestätigten Haushaltszahlen für 2022 und 2023 (!) vorlägen. Das jährliche Haushaltsdefizit der Gemeinde wachse schnell, führte Scherdin aus: „Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger.“ Obwohl zum Beispiel im Haushalt 2026 neben dem Wegfall der zweiten Pfarrstelle und weiteren Stundenreduzierungen im Personalbereich – der neue Jugendmitarbeiter Simon Lahn wird nur noch mit 20 statt 39, die diakonische Mitarbeiterin Katharina Reis mit 12 statt 35 Wochenstunden berücksichtigt – Einsparungen realisiert werden, erwartet Scherdin ein Defizit von 13.300 Euro. Das Defizit kalkuliert die Gemeinde in der mittelfris­tigen Planung für 2027 mit rund 64.000 Euro, über 2028 mit zirka 138.000, bis 2029 mit etwa 161.000 Euro. „Wir müssen in der Gemeinde sparen – an Geld, aber bitte nicht an der Qualität“, resümierte Scherdin.
Doch abgesehen davon, dass diese Zahlen auf zurückliegenden Zahlen beruhen, die bisher nicht vom Kirchenkreis bestätigt wurden, erscheint das Zahlenwerk für kaufmännisch geschulte Außenstehende undurchsichtig. So wurde das eigentlich defizitäre Haushaltsjahr 2024 mit einem Einmal­effekt aus dem Verkauf des Grundstücks Kottsiepen mehr als kompensiert – allerdings wurde hier nur der Buchwert von 760.000 Euro im Haushalt gutgeschrieben. Der eigentliche Verkaufswert, der realisiert wurde und auf das Konto der Gemeinde floss, wird in diesen Haushaltsrechnungen nicht eingerechnet, da die liquiden Mittel nicht im Sinne einer betriebswirtschaftlichen Bilanz berücksichtigt werden.

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