(Ro./PK) Einmal in jedem Jahr – zumeist gegen Ende des Januars – laden die vier christlichen Gemeinden Ronsdorfs zur Ökumenischen Begegnungswoche ein. In diesem Jahr fanden die fünf Abend- und eine Nachmittagsveranstaltung in den Räumlichkeiten der Freien evangelischen Gemeinde (FEG, Bandwirkerstraße 30) statt. Das Motto, das über der kompletten Woche stand, war „Gott ist treu“, jeweils verbunden mit einem zweiten Halbsatz oder Satz in jeder Veranstaltung.
So gestalteten Mirjam Steinhard und Reinhard Konrad, die nicht zufällig aus zwei unterschiedlichen Gemeinden stammen, den ersten Abend. „Gott ist treu – auch in schweren Zeiten“ war der Titel. Der Prophet Elia und seine abenteuerliche Geschichte war ein Thema. Aber auch die Gesprächsrunden gingen den schweren Zeiten auf den Grund. „Wo spüren wir Gott in unserem Alltag?“, wollte Steinhard wissen.
Und die Antworten waren teils erstaunlich. „Beim Spazierengehen“, hieß es da, „dann habe ich Gedanken, die nicht von mir sind.“ Eine andere Frau sagte: „Andere Menschen werden von Gott benutzt, um mir zu helfen.“ Und auch: „Man begegnet Gott in der Stille.“
Im zweiten Teil ging es um den „roten Faden“ in der Beziehung zu Gott. Reinhard Konrad gestand, dass es Zeiten gab, in denen er sich von Gott verlassen fühlte. „Der Faden war zerrissen.“ Durch den Kontakt zu anderen Menschen sei er jedoch repariert worden. Und Konrad hatte einen mitgebrachten roten Faden vor sich auf dem Tisch liegen.
Den zweiten Abend übernahm Pfarrer Dr. Jochen Denker, musikalisch unterstützt von Gerhard von der Heyden. Für das Thema des Abends „Gott ist treu – Er fordert uns zur Umkehr“ bildeten zwei Verse aus einem der Römerbriefe des Paulus die Grundlage, in denen dieser der Gemeinde in Rom noch einmal deutlich macht, dass Gott mit seiner Barmherzigkeit für die Menschen mit Jesus „in Vorkasse gegangen ist“, die Umkehr des Menschen also nicht die Voraussetzung für seine Gnade bildet. Dadurch von der Sorge um sich selbst befreit, sei es für Christinnen und Christen nur folgerichtig, sich mit ihrem Leben in den Dienst Gottes zu stellen, in den Dienst seiner Gerechtigkeit bei allem, was die/der Einzelne persönlich und politisch tue. Sich nicht dem Lauf der Welt anzupassen, sei die Devise. „(…), lasst euch nicht gleichschalten, nicht in ein Schema pressen, (…), marschiert nicht mit ihr im Gleichschritt, schon gar nicht im Marsch- und Stechschritt“, legte Denker Paulus eindrücklich aus. Runtergebrochen auf jede/jeden Einzelne/n bedeute dies die Hinwendung zu der oder dem bedürftigen Nächsten eingedenk des bekannten Jesus-Wortes: „Was ihr einem meiner geringsten Geschwister getan oder nicht getan habt, das habt ihr mir getan oder eben verweigert.“
Beeindruckend abgestimmt auf die Predigt von Dr. Denker präsentierte Gerhard von der Heyden unter anderem das Reinhard-Mey-Lied „Der Bruder“, in dem dem Erzähler zu spät schmerzlich bewusst wird, dass er in einem ärmlichen, bedürftigen, schwarzen Mann, dem er bei brüllender Hitze die Mitfahrgelegenheit in seinem klimatisierten Auto verweigert hatte, nach 2.000 Jahren Jesus begegnet sein könnte. In der anschließenden Gesprächsrunde ging es darum, wie man die Hinwendung zu Gott in sein Leben integriert oder integrieren könnte.
Der dritte Tag war zweigeteilt. In der Nachmittagsveranstaltung näherten sich Hanz Würzbach, Christoph Höcht sowie Friederike Slupina-Beck dem Thema „Unsere Botschaft für die Welt“ an. Christoph Höcht spannte in seinen Worten einen weiten Bogen von zwei Erfahrungen, die er auf der Verkaufsplattform „Kleinanzeigen“ gemacht hatte (und die auch in Verbundenheit mit dem Motto „Gott ist treu“ standen), über das Wort „Treue“ bis zu der Erkenntnis: „Die Treue Gottes bedeutet ja nicht, dass es mir immer gut ergeht.“ Und er schloss mit zwei Beispielen, in denen er die Treue Gottes selbst erlebt hatte.
Anders die Abendveranstaltung, in der Theresa Hennecke die erkrankte Anne Simon entschuldigte, und den Abend „Gott ist treu – Er erfüllt sein Versprechen“ alleine bestritt. Brigitte Gerling-Halbach unterstützte beim Gesang am Piano. Die Gesprächsrunden drehten sich um das Versprechen Gottes in vielen Varianten: beispielsweise das Eheversprechen. Auch hieß es: „Es gibt mehr unausgesprochende Versprechen.“ Die Diskutierenden waren sich auf jeden Fall einig, dass Gott in der Bibel viele Zusagen macht. „Und Gott lügt nicht“, hieß es weiter. „Nur: Die Erfüllung eines Versprechens kann dauern.“ Dazu dienten Abraham und Sara als Beispiel, die durch die Zusage Gottes einen Sohn geschenkt bekamen, obwohl sie biologisch gesehen zur Zeugung und zur Geburt nicht mehr in der Lage gewesen waren.
Der Donnerstagabend stand ganz im Dienste des Gesangs. Friederike Slupina-Beck und Felizitas Kehrenberg hatten unter dem Thema „So leben wir Gemeinschaft“ zum Taizé-Abend eingeladen. Diese charakteristischen, stimmungsvollen Gesänge – oft meditativ – sind so angelegt, dass sie ohne vertiefte musikalische Kenntnis mitgesungen werden können. Es sind zumeist einstrophige Gesänge, die im internationalen ökumenischen Männerorden in Taizé (Département Saône-et-Loire im Osten Frankreichs) entstanden.
Am Freitag (leider nach Redaktionsschluss) stand das „Fundament unseres Glaubens“ auf der Agenda. Eginhard Voigt, Jürgen Zielke-Reinhardt und Wilfried Krause nahmen sich des Themas an.
Die ökumenische Begegnungswoche endet traditionell am Samstag mit einem Brunch-Gottesdienst – in diesem Jahr mit dem Thema „Gott ist treu – Wir beten gemeinsam für seine Welt“. Ebenso traditionell stellt dabei die gastgebende Gemeinde Brot und Brötchen zur Verfügung. Die Brotbelege bringen die Teilnehmenden jedoch selbst mit und teilen sie in ökumenischer Gemeinschaft.
KW04 | 25.01.2026
Ronsdorfer Ökumene mit starker Begegnungswoche
„Gott ist treu“ stand als Leitthema über den fünf Gemeinschaftsabenden




